Die Initiative für eine stärkere Vernetzung der Buchbranche. Seit 2009. Von Leander Wattig / Orbanism.

Michaela Maria Müller: Ein gutes Buch pro Wochenende ist der Idealfall

18. Mai 2015

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Michaela Maria Müller

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin heute Autorin, war früher Buchhändlerin und ganz früher Verlagskauffrau. Von allem ein bisschen was. Nach meiner Ausbildung bei einem Zeitungsverlag, zog es mich erstmal in die Welt, nach New York. Dort verkaufte ich bei Doubleday Books an der 5th Avenue Bücher und lebte in Queens. Nach meiner Rückkehr begann ich bei Hugendubel am Marienplatz zu arbeiten. Daraus wurden fast vier Jahre, bevor ich nach Berlin zog. In Berlin las ich erstmal viele Bücher – ich studierte an der Humboldt Universität. Heute arbeite ich als Journalistin und habe gerade mein erstes Buch fertig gestellt, das gerade an die Verlage verschickt wurde. Betreut werde ich von der Elisabeth Ruge Agentur.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Eigentlich ist es eher eine typische Arbeitswoche. Montag bis Mittwoch im Büro, Donnerstag und Freitag zu Hause schreiben. Am Wochenende viel lesen – ein gutes Buch pro Wochenende ist der Idealfall – und daraus neue Ideen entwickeln.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Der Schreibanteil der Arbeit ist über die Jahre mehr geworden, der Organisationsanteil weniger. Früher lag das Verhältnis bei 20% zu 80%. Heute bei 40% zu 60%. Wobei ich mir nicht sicher bin, worunter ich die Recherche verbuchen soll. Alles macht Freude – auch wenn mehr Schreiben weniger Begegnung mit Menschen bedeutet.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Wie man am bequemsten auf einem Schreibtischstuhl sitzen kann.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Im Hinblick auf das Buch, das bald kommt, suche ich Kontakte zu Buchhändlern/innen, um Lesungen zu planen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Oft auf Facebook, weil für mich da im Moment die interessantesten Diskussionen stattfinden. Auf Twitter unter @michaelamaria. Und auf meiner Website unter www.vitzliputzli.de.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Christian Kielmann

Tobias Kiwitt: Wir geben Autoren eine Lobby

17. Mai 2015

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Tobias Kiwitt

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Wer ich bin? Das ist eine wirklich schwierige Frage und könnte philosophisch werden. Ja, lach. Aber ich habe genau deshalb lange davor zurückgeschreckt, diesen Fragebogen auszufüllen. Ich habe mir schon überlegt: „Vielleicht beschreibe ich stattdessen, wer ich nicht bin?“ Denn das weiß ich sehr genau.

Aber gut. Ich traue mich. Also, wer bin ich?

Mit Namen heiße ich Tobias Kiwitt. Ich bin von Beruf Rechtsanwalt auf dem Gebiet des Urheber- und Verlagsrechts tätig und seit dem Jahre 2008 ehrenamtlich tätiger Vorstandssprecher des Bundesverband junger Autoren und Autorinnen (BVjA) e.V. Zudem bin ich Initiator des Aktionsbündnis für faire Verlage (Fairlag).

Okay, es ist unschwer zu erkennen: Ich setze mich für die Interessen von Autorinnen und Autoren ein. Darüber hinaus schreibe ich. Wenn ich belletristisch unterwegs bin, arbeite ich meist unter einem anderen Namen. Vorwiegend bin ich momentan aber im Fach- und Sachbuchbereich unterwegs und veröffentliche dort auch unter meinem bürgerlichen Namen.

Was ich mit Büchern mache? In erster Linie lese ich sie. Es gibt so viele so wunderbare Bücher und ich entdecke immer wieder neue. Und ganz viele anderen Bücher werden von mir nie entdeckt werden, obwohl sie auch wunderbar wären.

In zweiter Linie schreibe ich welche, wenn ich überhaupt dazu komme. Denn ich bin beruflich beschäftigt und habe eine Leidenschaft: Ich gestalte gerne. Ich gestalte gerne, indem ich mich für eine Verbesserung der Ausgangsbedingungen für junge Literaten gerne engagiere. Ich habe in diesen Fällen also mehr mit den Autoren zu tun, als mit Büchern. Ich liebe es mit Menschen zu tun zu haben, die auch für Bücher ihr Herzblut investieren.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Als Rechtsanwalt bin ich freiberuflich tätig. Ich arbeite an Schriftsätzen, durchdenke die besten Vertragsklauseln und Verhandlungsstrategien, trete bei Gericht als Prozessanwalt auf und vertrete Mandanten. Neben Autoren sind dies vorwiegend auch medizingeschädigte Patienten, denen ich zu ihrem Recht verhelfe. Dies ist eine weitere Leidenschaft von mir, die ich hier aber nicht weiter vertiefen möchte, da sie nicht so viel mit Büchern zu tun hat – mit der Ausnahme, dass ich über das Medizinrecht auch ein Buch geschrieben habe.

Oft kommen Autoren zu mir, die mit ihren Verlagen Probleme haben. Andere vertrete ich, damit es erst zu keinen Problemen kommt: Ich verhandele für Autoren und Literaturagenturen den optimalen Verlagsvertrag mit Verlagen. Ein immer wieder aufkehrendes Problem sind unseriöse Verlagsverträge.

Die Freude ist meist bei Autoren sehr groß, wenn ein Verlagsvertrag vor ihnen liegt. Doch mindestens genauso groß sind die Fallen, die sich in Verlagsverträgen verbergen können. Ich rate jeden Autor dazu an, den Verlagsvertrag zu verhandeln. Denn was tun Sie, wenn Sie eine Wohnung mieten: Sie verhandeln den Mietvertrag. Was tun Sie, wenn Sie ein Auto kaufen: Sie verhandeln den Kaufvertrag. Nicht anders ist es bei einem Verlagsvertrag. Ich motiviere Autoren, ihre Rechte engagiert gegenüber Verlagen zu vertreten.

Damit bin ich auch schon bei dem Ehrenamt: Denn so viel anderes tue ich da eigentlich auch nicht. Ich bin tätig für den Bundesverband junger Autoren und Autorinnen (BVjA). Der BVjA versteht sich als ein Verband, der noch nicht etablierten Autoren eine Plattform bietet. Dabei meint „jung“ nicht das Lebensalter, sondern wir haben das Bestreben, Autoren jeden Alters durch Informationen und Kontakte den Weg ins Literaturgeschäft zu erleichtern.

Mit anderen großartigen und für die Sache streitenden jungen Autoren engagiere ich mich für die junge deutschsprachige Literatur. Der BVjA gibt Literaturzeitschriften heraus, gibt Rechtsberatungen an junge Autoren, Erstlektorate an Mitgliedern, wir veranstalten Literaturwettbewerbe. Kurz: Wir geben jungen Autoren eine Lobby.

Als ich in den Vorstand gewählt worden bin, war es zunächst mein Ziel, mich gegen die schwarzen Auswüchse an den Rändern der Verlagslandschaft zu engagieren. Immer wieder hörte ich von Unternehmen, die sich als „Verlag“ bezeichnen, jedoch überhaupt nicht als Verlag tätig sind. Der Begriff „Verlag“ kommt von „Vorlegen“, d.h. der Verlag legt Geld für einen Autor vor und übernimmt das unternehmerische Risiko für den Autoren. Doch genau dies tun sog. Pseudoverlage und Druckkostenzuschussverlage nicht. Sie lassen sich im Vorfelde von Autoren bezahlen. Je mehr ich recherchierte, um so mehr wurde mir bewusst, dass etwas getan werden muss. Ich erfuhr von Bauernfängerei-Methoden, die jeder Beschreibung spotten.

Gemeinsam mit dem Bundesvorsitzenden des Verband deutscher Schriftsteller, Imre Török, sowie den wunderbaren Kollegen Nicole Pfister-Fetz (Autoren der Schweiz) und Gerhard Ruiss (IG Autoren Österreich) rief ich ein Aktionsbündnis ins Leben: Das Aktionsbündnis für faire Verlage (Fairlag). Das Bündnis wird heute von über 60 Literatureinrichtungen der D-A-CH-Staaten getragen. Auch viele prominente Autoren, darunter Elfriede Jelinek, Günter Grass und andere, und sogar Parteien unterstütz(t)en das Bündnis mittlerweile. Wir arbeiten auch über den deutschsprachigen Bereich hinaus mit Autorenverbänden innereuropäisch zusammen. Denn das Problem ist ein nicht auf den deutschen Sprachraum beschränktes Problem. Vor allem im angelsächsischen Raum (dort heißen diese Unternehmen „Vanity Press“, d.h. Eitelkeitsverlage), im frankophonen und romanischen Sprachraum sowie in Skandinavien existieren einige solcher Unternehmen.

Die Gründung des Aktionsbündnisses stieß aber natürlich auch auf Gegenwehr, die noch heftiger ausfiel, als wir es erwartet hatten: Uns war klar, dass wir uns hier mit Menschen anlegen, die wenig Skrupel haben. Doch einige schwarzen Schafe der Branche machten sogar mit übelsten Einschüchterungsversuchen auf sich aufmerksam. Schon vor der Gründung des Bündnisses am Welttag des Buches, 23. April 2008, flatterten Drohschreiben und Abmahnschreiben von deutschen Pseudoverlagen in die Briefkästen der sich beteiligenden Unterstützerverbände. Vor allem aus dem Umfeld eines Pseudoverlages, der sich mit dem Namen Goethes schmückt, ist sodann eine unsägliche Verleumdungs- und Diffamierungskampagne gestartet worden. Initiatoren des Aktionsbündnisses, und damit vorwiegend auch ich, wurden auf das übelste diffamiert und versucht mundtot zu machen. Nicht allein die öffentliche Meinungsäußerung, sondern bereits die interne freie Meinungsbildung sollte unterbunden werden.

Solche Vorgehensweisen haben mit einer Kultur des Wortes absolut nichts zu tun und sind ein Schlag ins Gesicht aller gewissenhaft und seriös arbeitenden Verlage und Autorenverbände. Im Rahmen von Gerichtsverfahren wurden diese Unternehmen wiederholt zu Unterlassung und auf Schadenersatz verurteilt. Ein paar Verfahren dauern bis heute noch an. Wir haben den Finger in die Wunde gelegt und offensichtlich ins Mark getroffen.

An dieser Stelle möchte ich vor allem auch Manfred Plinke erwähnen und danken, der mit seinem Autorenmagazin sehr wichtige Arbeit leistet und einen entscheidenden Anteil am Erfolg der Arbeit für faire Verlagsbedingungen hat.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Die Arbeit ist mit der Zeit immer vielfältiger geworden. Zunächst wurde die Fairlag-Arbeit vorwiegend so wahrgenommen, dass wir einzig gegen die schwarzen Schafe der Verlagsbranche auftreten würden. Doch mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass wir uns allgemein für faire Verlagsbedingungen engagieren.

Denn vor mindestens genauso große Herausforderungen werden wir von seriösen Verlagen gestellt: Wir haben es ständig mit Verlagen zu tun, die durchaus seriös sind, doch in ihren Verlagsverträgen Klauseln enthalten haben, die nicht hingenommen werden können. Auch ein zunehmendes Problem sind Kleinverlage, die Autorenhonorare nicht auskehren.

Erst heute ist mir wieder ein solcher Vertragspassus vor die Augen gekommen. Es heißt dort:

„Die Vertragsdauer beträgt 7 Jahre ab Erscheinen des Werkes. Zieht der Autor 6 Monate vor Ablauf der Nutzungsdauer die Option, die Rechte zurückzuerhalten, überlässt der Verlag die Daten gegen Zahlung von 60 % der Gestehungskosten. Wenn er die Option nicht zieht, verlängert sich die Nutzungsdauer stillschweigend um weitere 2 Jahre, es sei denn, der Verlag will die Nutzungsrechte zurückgeben. Hierfür gelten dieselben Fristen.”

Eine solche Klausel ist schlichtweg unakzeptabel. Ich rate dringend davon ab, derartiges als Autor zu unterschreiben.

Immer wieder kontaktieren mich Autoren, die erst später feststellen, was sie überhaupt unterschrieben haben. Es ist in der Regel nicht so einfach, aus einem einmal abgeschlossenen Vertrag wieder herauszukommen. Es gilt die Regel: pacta sunt servanda (einmal geschlossene Verträge, gelten).

Im konkreten Fall konnte dieser Vertragspassus rausverhandelt werden. Sollte dies nicht gelingen, raten wir dazu an, den Verlagsvertrag nicht zu unterzeichnen.

Solche Fälle zeigen, wie wichtig es ist, aufmerksam zu sein und mit dem Verlag zu verhandeln.

Zur Leipziger Buchmesse 2015 haben wir eine neue Aktion gestartet: Gemeinsam mit der Messeverwaltung veranstaltet der Bundesverband junger Autoren und Autorinnen ein Verlagsspeeddating unter dem Namen „Meet & Greet“. Im Rahmen eines Autorenpitchings werden seriöse Verlage auf junge Literaten aufmerksam gemacht. Das ist ein sensationeller Erfolg. Es freut mich riesig, wenn sich junge Autoren an uns richten und berichten, dass sie auf diese Weise einen Verlag gefunden haben.

Der BVjA veranstaltet zudem eine Offene Bühne zur Leipziger Buchmesse. Wir geben veranstalten regionale Stammtische und Regionalgruppentreffen unter Mitgliedern. Und natürlich ist ein weiterer Höhepunkt unserer Arbeit unser alljährliches BVjA-Buchmesseseminar, dass wir zur Frankfurter Buchmesse mehrtägig ausrichten.

Zudem sind wir einer der Verbände, der sich im Rahmen der Autoreniniative für einen fairen Buchmarkt engagieren und die Aktion Lieblingsbuch mitinitiieren. Mit dem im Jahre 2014 veranstalteten Autorenprotest gegen Amazon hatten wir großen Erfolg. Über 2.000 Autoren haben ihre Stimme erhoben und sich gegen die Monopolisierung des Buchhandels ausgesprochen.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Mitunter fühle ich mich wie ein Wanderprediger, wenn es um das Thema „Pseudoverlage“ geht. Zeitweise dachte ich, dass es doch mittlerweile bei jedem angekommen sein muss: Unternehmen, die von Autoren Geld verlangen und damit das unternehmerische Risiko auf Autoren abwälzen, kehren das Verlagsprinzip fundamental um. Sie gefährden die Verlagslandschaft in Deutschland. Diese Unternehmen setzen sich des Verdachts aus, alleine für ihre wirtschaftlichen Interessen zu arbeiten. Die Initiative „Rico Beutlich“ der 42er Autoren hat dies vor einigen Jahren sehr schön und anschaulich unter Beweis gestellt.

Doch wenn ich z.B. Autorenrundgänge über Buchmessen veranstalte und mit jungen Autoren ins Gespräch komme, die noch ganz am Anfang ihrer Laufbahn stehen, merke ich: Nein, meine Arbeit fängt gerade erst wieder von vorne an. Mit großen Augen schauen mich Autoren an, die mich ganz verwundert fragen: „Wie, und die Buchveröffentlichung ist für mich ganz kostenlos?“ Ja, das ist sie. Wirklich. Und das zum Glück. Das ist das Wesen eines Verlages. Ein Schauspieler zahlt ja auch nicht an seinen Filmregisseur, sondern lässt sich von diesem bezahlen. Als Autor bringen Sie Ihre Arbeitsleistung ein und haben ein Anrecht darauf, hierfür bezahlt zu werden. Vor allem darf es nicht so sein, dass Sie sogar noch für Ihre Arbeit den Verlag zu bezahlen haben. Das wäre doch absurd!

Unsere Website www.fairlag.info ist ein Versuch, zu informieren und auf diese Weise eine Lösung anzubieten, mich nicht ständig aufs Neue wiederholen zu müssen. Es ist mir unmöglich, auf die Gefahren von Pseudoverlagen und unfairen Verlagen unentwegs wie ein Leierkastenmann aufmerksam zu machen. Doch es bedürfte eigentlich noch viel mehr Möglichkeiten, um auf dieses Thema aufmerksam zu machen.

Es ist wie mit Sisyphos: Der Kampf gegen die Windmühlenräder fängt immer wieder von vorne an. Doch genau dies macht die Arbeit für junge Literatur auch immer wieder spannend. Auf geleistete Aufklärungsarbeit auszuruhen, gilt nicht. Junge Literatur wächst zum Glück immer wieder nach. Das ist auch ein sehr beglückendes Gefühl: Zu wissen, dass gute Literatur immer und immer wieder geschrieben werden wird und man sich dafür engagieren kann, dass sie gute Rahmenbedingungen erhält. Und wenn junge Literatur dann Erfolg hat, ist es ein beglückendes Gefühl. Dieses Gefühl wünsche ich vielen Menschen und lade deshalb dazu ein, sich für junge Literatur sich zu engagieren, z.B. beim Bundesverband junger Autoren und Autorinnen (BVjA).

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Sie sind Politiker oder Journalist? Sie sind ein Autor, der unfaire Verlagsklauseln angeboten bekommen hat? Sie möchten sich auch für junge Literatur engagieren? Genau Sie suche ich.

An den Politiker: Was Pseudoverlage tun, kann gesetzlich weitgehend unterbunden werden. Am besten, wir setzen uns zusammen. Bei einem Kaffee oder Tee besprechen wir, was getan werden müsste. Einige Vorarbeit haben wir hier auch schon geleistet.

An den Journalisten: Aufklärung über unfaire Verlagsbedingungen tut Not. Zu der Sisyphos-Arbeit gehört es, immer wieder aufs Neue durch Presseberichte, TV-Berichte und Radiobeiträgen auf unseriöse Verlagspraktiken aufmerksam zu machen. Unsere Website alleine reicht nicht aus, um auf diese Missstände aufmerksam zu machen. Wir haben die notwendigen Informationen und die notwendigen Autorenkontakte. Kontaktieren Sie uns und Sie haben schon bald einen interessanten Fernsehbericht im Kasten, oder Ihre Zeitung mit einer interessanten Reportage bereichert.

An den Autor: Wenn Sie unfaire Verlagsklauseln in Ihren Verträgen finden, teilen Sie es uns mit. Wir sind auf Ihre Informationen angewiesen. Nur wenn Sie uns informieren, können wir gemeinsam vielleicht dafür sorgen, dass nicht noch weitere Autoren sich diese Klauseln gefallen lassen (müssen). Gemeinsam arbeiten wir für mehr Fairness im Verlagsbetrieb.

Wo finden wir Sie im Internet?

Im Internet finden Sie mich:

  • Bundesverband junger Autoren und Autorinnen (www.bvja-online.de)
  • Aktionsbündnis für faire Verlage (www.fairlag.info)
  • Rechtsanwaltskanzlei Medi:res – Kanzlei für Medizinrecht, Medienrecht und Mediation (www.anwalt-medires.de).

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Antje Kroeger

Job- und Projektangebote seit Ende April

11. Mai 2015

PublishingMarkt.de ist die Job- und Projektbörse für den Publishing-Markt – kostenlos nutzbar und redaktionell gepflegt von Leander Wattig. Auf dieser Seite können Unternehmen und Kreativschaffende kostenlos und ohne Anmeldung oder Registrierung Einträge erstellen. Nach Verfassen und Freigabe eines Eintrags wird eine Bestätigung an die vom Akteur hinterlegte E-Mail-Adresse verschickt. In dieser E-Mail befindet sich auch ein Link, über den ein späteres Bearbeiten oder Löschen des Eintrags möglich ist. Sie können also komplett eigenständig und unabhängig agieren, was allen Beteiligten Zeit spart.

Job- und Projektangebote seit Ende April

Julia Wagner: Auf DEINTEXTDEINBUCH können Autoren Verlage und Literaturagenturen finden

24. April 2015

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Julia Wagner

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich heiße Julia Wagner und ich betreibe die Internet-Plattform www.deintextdeinbuch.de, auf der Autoren einen Verlag oder eine Literaturagentur für ihr Buch finden können. Die Autoren melden sich dafür an und stellen eine Leseprobe zusammen mit einem Exposé, Kurztext und Vita ein. Lektoren und Agenten registrieren sich und können dann ganz einfach nach bestimmten Genres oder Begriffen suchen.

Da ich selbst lange als Lektorin in einem Publikumsverlag gearbeitet habe, weiß ich, dass das Zusammenfinden von Autor und Verlag nach wie vor schwierig ist, weil Autoren oft nicht wissen an wen sie sich wenden sollen, wenn sie ein Buch geschrieben haben. Diese Lücke soll meine Website auf unkompliziertem Wege schließen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Den typischen Arbeitstag gibt es bislang noch nicht, da wir erst am 10. April online gegangen sind. Als erstes fahre ich aber immer meinen Computer hoch, lese und beantworte Mails. Das kann schon mal zwei Stunden dauern.Dann schaue ich auf unserer Facebook-Seite und bei Google+ vorbei; montags, mittwochs und freitags poste ich etwas. Dann bastele ich zusammen mit meinem Programmierer an der Website rum, optimiere und ergänze Texte, versuche Autoren-Feedback umzusetzen. Mittags gehe ich meistens mit einem meiner Verlags- oder Agenturkontakte essen. So bleibe ich auf dem Laufenden, was in den Verlagen und Literaturagenturen passiert.

Solch ein Tag geht schnell rum: Es gibt immer etwas zu verbessern, zu recherchieren oder zu überlegen. Mein Unternehmen ist jung und ich bin ständig auf der Suche und denke über Details nach.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Vor dem Live-Gang habe ich vor allem an den Funktionsweisen der Website rumgetüftelt. Da haben Telefonate mit dem Programmierer und Beta-Testern den Arbeitstag bestimmt. Wir haben viel über technische Möglichkeiten nachgedacht und diskutiert. Jetzt muss die Website in der Realität bestehen – und das tut sie Gott sei Dank. Und ich kann mich auf die Akquise neuer Autoren, Lektoren und Agenten konzentrieren – Dank meines Netzwerkes klappt auch das sehr gut.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ich habe unterschätzt, wie viele Autoren schon schlechte Erfahrungen mit Zuschussverlagen gemacht haben. Die Angst davor, dass die sich auf DEINTEXTDEINBUCH herumtreiben, ist riesig! Ich habe das, wie gesagt, zwar unterschätzt, aber doch damit gerechnet und eine Sicherheitsfunktion eingebaut: Jeder Lektor oder Agent kann eine Registrierung per Mausklick anfragen, aber ich entscheide selbst, wer zugelassen wird. Das geht Dank technischer Lösungen schnell und unkompliziert. Mir ist die Kontrolle über den Zugang zu den Texten und Daten von Autoren extrem wichtig. Bei uns kann z.B. auch kein Autor sehen, welche anderen Autoren ihre Manuskripte anbieten.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Ich suche natürlich zum einen Autoren, die einen Verlag oder eine Agentur finden wollen und zum anderen Lektoren und Agenten, die bei uns nach neuen Autoren suchen.

Wo finden wir Sie im Internet?

www.deintextdeinbuch.de

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Julia Wagner

Job- und Projektangebote seit Ende März

22. April 2015

PublishingMarkt.de ist die Job- und Projektbörse für den Publishing-Markt – kostenlos nutzbar und redaktionell gepflegt von Leander Wattig. Auf dieser Seite können Unternehmen und Kreativschaffende kostenlos und ohne Anmeldung oder Registrierung Einträge erstellen. Nach Verfassen und Freigabe eines Eintrags wird eine Bestätigung an die vom Akteur hinterlegte E-Mail-Adresse verschickt. In dieser E-Mail befindet sich auch ein Link, über den ein späteres Bearbeiten oder Löschen des Eintrags möglich ist. Sie können also komplett eigenständig und unabhängig agieren, was allen Beteiligten Zeit spart.

Job- und Projektangebote seit Ende März

Denise Sudau: e-ditio ist eine Online-Plattform für internationale Lektoratsdienstleistungen

22. April 2015

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Denise SudauWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin die, die sich über gute digitale Bücher freut und gern damit arbeitet — sogar eigenständig. Ich habe in diesem Jahr e-ditio gegründet, die Online-Plattform für internationale Lektoratsdienstleistungen (Übersetzungen, Lektorat und Korrektorat). Autoren, Verlagsmitarbeiter oder Wissenschaftler können sich hier anmelden, eine Leseprobe hochladen und dann auf Grundlage ihres Textes einen passenden und geprüften Übersetzer oder einen professionellen Lektor oder Korrektor finden.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich nehme mal keinen der Reisetage: zu früh aufstehen, auf Verkehrsmittel warten, dann vorläufig in einer Stadt verweilen, von der man nicht viel mitbekommt, weil man von einem Treffen zum nächsten pilgert – das kennen viele Leute auf die eine oder andere Weise.

Tatsächlich bin ich aber gerade durchaus viel unterwegs und habe das Glück, Menschen aus anderen Sprachräumen zu begegnen, die oft ziemlich ähnliche Perspektiven oder komplett andere Schwerpunkte in puncto Self-Publishing und Digitalisierung des Verlagswesens haben. Das ist großartig, denn jedes Mal offenbart sich ein neues Detail.

Außerdem werden im Arbeitsalltag Anmeldungen, sprich Bewerbungen sorgsam geprüft, Fragen von Autoren und Kooperationspartnern beantwortet, Hinweise für die Profilerstellung gegeben sowie neue Features in der Software implementiert und getestet.

Jetzt mit den Titeln des e-ditio Independent Publishing Award, bei dem gut lektorierte E-Books von Self-Publishern ausgezeichnet werden, gibt es auch wieder mehr Lesezeit. Da sind ungewöhnliche, spannende bis amüsante Titel dabei – die meisten Indie-Autoren sind wirkliche Meister im Erweitern von Genre-Grenzen. Es gibt auch einige Schätze, die sich dabei entdecken lassen. Und manchmal werden sogar Empfehlungen für Verlage daraus…

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Mit neuen Features der Plattform e-ditio verändern sich auch stets die Aufgabenschwerpunkte, Neues kommt hinzu und anderes ist an die Technik abgegeben. Vor allem administrative Aufgaben lassen sich so elegant mit Algorithmen lösen – und dann bleibt mehr Zeit für Strategien und fürs Lesen.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Problematisch ist es zum Beispiel, Finanzierungsmöglichkeiten für Autoren zu finden, um sie bei ihrer ersten Publikation zu unterstützen.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Autoren und Autorinnen sowie Wissenschaftler, die ihre Texte professionell übersetzt oder überarbeitet haben möchten; Unternehmen und Menschen, die Indie-Autoren finanziell unterstützen möchten oder sich im Bereich des digitalen Publizierens tummeln. Und natürlich immer erfahrene Literaturübersetzer!

Wo finden wir Sie im Internet?

Auf jeden Fall auf www.e-ditio.de oder auf der englischsprachigen Seite: www.e-ditio.eu

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Denise Sudau

Alexander Emmerich: Wir möchten Buchschaffende in Paris stärker vernetzen

15. April 2015

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Alexander EmmerichWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Alexander Emmerich. Seit 2007 arbeite ich als Autor und schreibe hauptsächlich Sachbücher, Hörbücher und Krimis. 2014 habe ich die Schreibtischseiten gewechselt und zusammen mit der Autorin Cristina Stanca-Mustea den Zauberberg Verlag gegründet. In diesem Verlag erschien 2015 auch mein erster Roman „Fernsehen gernsehen“ und Cristinas Schwedenthriller „Das Geheimnis des Mittsommers“.

Im Laufe der letzten acht Jahre habe ich beinahe jeden einzelnen Schritt des Buchmachens begleitet, Verlage beraten und „irgendetwas mit Büchern“ gemacht. Als Verleger habe ich nun endlich die freie Entscheidungsmöglichkeit, meine Erfahrungen anzuwenden und schnell zu reagieren, wenn sich etwas Neues in der Buchbranche tut. Darauf freue ich mich.

Durch meinen Familienhintergrund bin ich zudem sehr an der französischen Literaturszene interessiert, weshalb der Zauberberg Verlag auch ein kleines Büro in Paris hat. Mit Bedauern sehen wir gerade, wie die beiden letzten deutschsprachigen Buchläden in der französischen Hauptstadt schließen, denn wir würden gerne die deutschsprachige Szene in Frankreich mit französischen Buchmenschen zusammenbringen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Jeder Tag ist anders… Genau das würden wahrscheinlich die meisten aus unserer Branche schreiben. Aber das ist es ja, was sie letztlich so spannend aber auch so unglaublich attraktiv macht. Im Zauberberg Verlag bin ich in alle Schritte des Buchmachens involviert. Ich hecke gerne mit meinem Team neue Ideen für den Verlag aus, diskutiere mit Autoren deren Manuskripte, kümmere mich darum, dass die Bücher in den Handel kommen, und versuche ständig und mit der Hilfe von jungen, schlauen Köpfen und alten Hasen, neue Ideen für die Branche zu entwickeln. Vielleicht haben all die unterschiedlichen Arbeitstage zumindest eines gemeinsam: Sie sind alle viel zu kurz. Ich könnte mich gut und gerne 48 Stunden am Tag mit Büchern beschäftigen.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Bereits als Autor habe ich immer eng mit meinen Verlagen zusammengearbeitet. Da ich vor der Verlagsgründung neben meiner Autorentätigkeit zudem in der digitalen Welt gearbeitet habe, stand ich meinen Verlagen immer auch mit Rat und Tat zur Seite, was die jeweilige Online-Kommunikation betrifft. In den letzten Jahren konnte ich eine wachsende Bereitschaft beobachten, sich auf die digitale Welt einzulassen. Die digitale Welt kann Verlage, Leser, Autoren und Buchhändler näher zusammenbringen. Wenn man aufeinander hört, können alle Seiten davon profitieren.

Durch die Verlagsgründung selbst hat sich natürlich viel für mich persönlich verändert. Zeit zum Schreiben habe ich kaum noch. Dafür suche ich nun ständig selbst nach Autoren und deren Geschichten. Oder mir fällt eine Geschichte ein, die wunderbar zum Zauberberg Verlag passen würde, und ich muss „nur“ noch den richtigen Autor dafür begeistern, weil ich sie selbst nicht schreiben kann…

Auch der Blick als Verlegers auf die Branche und auf die eigenen Autoren ist ein anderer. Ich hoffe daher immer, dass meine Vergangenheit als Autor mich zu einem besonderen Verleger macht, der nicht an den Autoren vorbei arbeitet.

Auch wird man als Verleger anders wahrgenommen. Am deutlichsten habe ich dies gemerkt, als der große und von mir sehr verehrte Nick Hornby mir zur Verlagsgründung und zum Erscheinen von „Fernsehen gernsehen“ gratuliert hat, obwohl er selbst eigentlich gerade voll und ganz mit seinem neuen Roman sowie mit dem 20. Jubiläum von „High Fidelity“ beschäftigt sein müsste.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Bislang haben wir für jedes Problem die passende Lösung gefunden. Daher bin ich sehr stolz auf alle, die beim Aufbau des Verlags mit angepackt haben.

Was mich aber zum Start des Verlags überrascht hat, war der Vorwurf, dass der Zauberberg Verlag ja „neu“ sei! In anderen Branchen erfindet man immer wieder Dinge, die vermeintlich „neu“ sein sollen, wie die „neue Formel, die Wäsche noch sauberer macht“, obwohl man eigentlich nur alten Wein in neuen Schläuchen verkauft. In der Buchbranche scheint „neu“ eher hinderlich zu sein. Man ist unsicher und kann nicht absehen, wohin sich neue Dinge im Buchmarkt entwickeln. Aber da man ja nur einmal neu ist, sollte man dieses „Label“ trotzdem unbedingt nutzen.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Eine Herausforderung ist, dass wir „Entwicklungsromane“ suchen. Oder „Adoleszenzromane“, „Bildungsromane“ oder „Coming-of-Age-Geschichten“ oder wie auch immer man dieses Genre nennen mag. Wir suchen Geschichten über das Erwachsenwerden, über die Suche nach Freundschaft, nach einem Zuhause. Dieses klassische Genre scheint mir eingestaubt. Es funktioniert im Angelsächsischen wunderbar, nur hierzulande hat man es nahezu vergessen. Daher haben wir uns entschlossen, diesem Genre neues Leben einzuhauchen und die „Sammlung Zauberberg“ auf die Beine gestellt, deren erste drei Entwicklungsromane „Die letzte Nacht des Matze Blitz“ von Aleks Wiercinski, „Horizont der Ewigkeit“ von Elfie Böge und „Fernsehen gernsehen“ von mir gerade erschienen sind. Also, wenn jemand einen fertigen Entwicklungsroman oder eine schöne Coming-of-Age-Geschichte in der Schublade hat – schreibt uns an!

Darüber hinaus suchen wir deutsch-französische Buchschaffende, um uns in Paris stärker zu vernetzen, auszutauschen und eventuell gemeinsame Projekte anzugehen. Wenn ihr also im Großraum Paris lebt, literarisch interessiert seid, dann meldet euch. Vielleicht lässt sich ein #pubnpub-Stammtisch einrichten?

Wo finden wir Sie im Internet?

Also, den Verlag findet man hier: www.zauberberg-verlag.de oder hier www.facebook.com/zauberbergverlag

Wer sich für meinen Roman „Fernsehen gernsehen“ und für mich als Autor interessiert, der sollte hier nachschauen: www.facebook.com/AlexanderEmmerichAutor

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Alexander Emmerich

Simona Dobrescu: Ich bin Indie-Autorin und betreibe die Social-Reading-Plattform book-date.de

13. April 2015

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Simona DobrescuWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Simona Dobrescu, lebe im schönen München und habe im doppelten Sinn etwas mit Büchern zu tun: als Indie-Autorin im Bereich Jugendbuch/Fantasy und als Betreiberin von book-date.de – einer neuen, innovativen und unabhängigen Social-Reading-Plattform, auf der wir unsere Nutzer über deren Lieblingsbücher zum Date bitten. Oder wie wir sagen: Brücken schlagen lassen. :)

Für jeden der jetzt Fragezeichen in den Augen hat: book-date ist ein langgehegter Traum von mir gewesen, der jetzt, da er täglich hunderte Buchfans zusammenführt, mein ganzer Stolz ist. Alle, die sich darauf austoben, neue Freundschaften schmieden und erste Begegnungen erleben, eint die Liebe zum geschriebenen Wort. Das merkt man an den Rezensionen, Kommentaren, bei dem Blick in die individuellen Bücherregale.

Das Besondere an der Community ist, wie der Name schon sagt, das Buch. Findung und Kontaktaufnahme zwischen Nutzern erfolgt nur über gelesene Werke, die Lesefans rezensieren, archivieren oder kommentieren. Jede dieser Aktivitäten arbeitet für den User und macht ihn für andere sichtbar. Je mehr Content ein Nutzer generiert, desto sichtbarer wird er und desto stärker agieren seine Inhalte wie Brücken. Findung und Kontaktaufnahme erfolgen ausschließlich über Content, damit ist die Schnittstelle zwischen zwei book-datern einzig das Buch. Responsive Design ermöglicht zudem die Nutzung auf jedem Endgerät, unterwegs, auf der Couch, überall. Oder in einem Satz: book-date macht einfach Spaß.

Schreibe ich nicht an der Fortsetzung zu meinem Debütroman “Verdammt. Verliebt.” oder sitze vor meinem PC für book-date bzw. tausche mich auf dem Portal aus, bin ich auf dem Golfplatz anzutreffen (fragt mich bloß nicht nach meinem Handicap, lol) oder probiere beim Kochen neue Gerichte aus, mache es mir mit einem guten Roman im Westpark gemütlich oder plane die nächste Reise (Fernweh-geplagt? Ich auch!).

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

So etwas wie einen typischen Arbeitsalltag habe ich nicht. Mein Terminplan diktiert den Ablauf, aber in der Regel ist es so, dass ich eine 70/30-Aufteilung anstrebe: 70 Prozent book-date, sprich Koordination, Social Media, Pressearbeit, Telefonate, Partner-Kontakt; 30 Prozent fallen auf Schreibarbeit für VV2 (Verdammt. Verliebt. 2), Fanpflege inklusive.

Ich habe das Glück von zu Hause zu arbeiten, da macht selbst ein Schreibflash bis Mitternacht keine großen Umstände, da ich im Anschluss ein Zimmer weiter ins Bett fallen kann. Ich liebe meine Arbeit und hoffe, dass man das am Ergebnis sehen kann.

Um eine Frage vorwegzunehmen: Beide Teile liegen mir am Herzen, da beide meine Leidenschaft definieren – Bücher.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Zu Anfang war es jeweils eine Idee, die mich hartnäckigerweise nicht losließ, “Veröffentliche dein Skript schon, was kann groß passieren?”, oder “Recherchiere, ob sich diese Community umsetzten lässt, dann hast du wenigstens deine Antworten”.

Nun lebe ich meine Ideen und das macht Spaß, ist aber auch viel Arbeit. Um davon leben zu können, muss man sich absetzen von der Masse und die kritischen Leser bzw. Nutzer überzeugen. Das war am Anfang nicht leicht und nur allmählich entspanne ich mich und erkenne, das Übung den Meister macht. Ich höre meinen Lesern und jedem book-dater gerne zu, lerne dadurch und gebe das Ergebnis dessen so gut es geht zurück. Inspiration ist allgegenwärtig, jetzt lasse ich sie mir zufliegen, anstatt sie auftreiben zu wollen.

Was soll ich sagen, es stimmt: Man wächst mit seinen Aufgaben!

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Mein Perfektionismus.

Es fällt mir nicht immer leicht, mich zum Beispiel mit einer Marketing-Kampagne zufrieden zu geben, egal ob ich sie komplett alleine ausarbeite oder nicht. Manchmal fange ich einen Tag vor der Deadline an, sie von vorne aufzusetzen, meistens lasse ich es aber, weil ich sie rückblickend doch so am Besten finde, wie sie ursprünglich gemeint war. Funktionen auf book-date.de (zuletzt “Nachrichten” betreffend), die von meinem Team perfekt intuitiv ausgedacht wurden, wirken auf mich plötzlich kompliziert. Das Phänomen findet sich auch beim Schreiben, wenn ich ganze Textpassagen/Kapitel lösche oder umarbeite und in ein “Notizen”-Dok verschiebe, nur um zu merken, dass sie Sinn gemacht haben.

Früher war das penetranter, heute werde ich einfach “Zen” und atme tief durch. Wir sind ein Start-up, lernen dazu und vermutlich nie aus. Das macht es spannend und hält uns auf Trab! Und mein Roman ist kein statisches Ding sondern entwickelt sich mit der Geschichte. Was soll’s, dass ich am Nachmittag noch nicht weiß, wo ich am Abend rauskomme?

Der Weg ist das Ziel. ;)

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Klasse Frage. Die Antwort ist einfach: Jedermann.

Zuallererst wende ich mich an den begeisterten Leser. Ist euer Geist offen für neue Genres, neue Werke? Teilt ihr gerne euer Wissen damit es sich vermehrt oder wollt ihr Inspiration für andere, Ratgeber, Botschafter sein? Dann rauf auf www.book-date.de und schlagt Brücken zueinander. Mich findet ihr bei der Freundessuche unter “Simona”.

Autoren, Verlage, Blogger, Buchhändler und Co. erhalten in der zweiten Jahreshälfte aufregende Möglichkeiten, sich auf unserem schnell wachsenden Portal zu positionieren. Die entsprechenden Programme starten dann.

Über Kontaktaufnahmen aus diesen Branchenfeldern freue ich mich aber natürlich jederzeit, da ich den Austausch untereinander sehr konstruktiv und spannend finde – und mich darauf freue.

Denn nicht nur auf book-date.de – auch im Web 2.0 ist es sinnvoll, stets neue Kontakte zu knüpfen. Vernetzung ist das Stichwort. Bücher bereichern das Leben, egal in welcher Form. Also keine Angst und meldet euch :).

Wo finden wir Sie im Internet?

Unter www.simonadobrescu.de dreht es sich hauptsächlich um mich als Autorin. Zum dazugehörigen Roman, der bald eine Fortsetzung erhält und (kneiff’ mich Mal jemand) ein amazon-Bestseller wurde, geht es ist hier entlang. Ich habe eine Fanpage auf Facebook und tweete hin und wieder.

Auf www.book-date.de finden sich alle eure Lieblingsbücher und warten darauf Brücken zwischen euch zu schlagen. book-date findet ihr auch auf:

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Simona Dobrescu

Charlotte Stiefel: Ich habe den ersten nachhaltigen Kinderbuchverlag Deutschlands gegründet

8. April 2015

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Charlotte Stiefel

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Charlotte Stiefel und habe den ersten nachhaltigen Kinderbuchverlag Deutschlands gegründet. Als ich feststellte, dass gerade die Bilderbuchproduktion viele negative Auswirkungen auf unsere Umwelt und ebenso auf die Gesundheit unserer Kinder hat, beschloss ich, einen eigenen Verlag mit dem frechen Namen neunmalklug zu gründen – einen, der anders handelt und arbeitet. Ich möchte, dass gerade Kleinkinder ihre Bücher ruhig auch mit dem Mund erkunden können, ohne Schadstoffe aufzunehmen.

neunmalklug produziert nach dem Cradle to Cradle-Verfahren: alle Bücher sind frei von Giftstoffen. Ganz ohne Bedenken können unsere Bücher angeknabbert oder in den Mund genommen werden. Kinder können so ihr Umfeld mit allen Sinnen erkunden und Mama und Papa können sich entspannt zurücklehnen.

Und der Umwelt tun sie auch nicht weh. Im Gegenteil: Dank der komplett schadstofffreien Herstellung könnten die Bücher sogar kompostiert werden.

Damit sind unsere Bücher nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft gut für unsere kleinen Leser.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich arbeite von verschiedenen Orten aus. Mal von meinem Coworking-Platz in Frankfurt, dann fange ich bereits um 7 Uhr an. Während ich gemütlich meinen Latte Macchiato schlürfe, werden die ersten E-Mails beantwortet und die Social Media-Kanäle nach interessanten Beiträgen durchforstet. Wenn ich von daheim aus arbeite, wird erst einmal mit meiner Familie ausgiebig gefrühstückt, bevor ich mich in mein Büro zurückziehe.

Für jeden Tag lege ich mir entweder morgens oder am Abend davor eine handgeschriebene To-Do-Liste an, die ich versuche erfolgreich abzuarbeiten. Aber meistens kommen so viele neue und überraschende Dinge auf mich zu, dass der Tag immer anders endet, als ich mir das vorgenommen hatte.

Da mein kleines Team verstreut in Deutschland sitzt, kommunizieren wir vorwiegend über verschiedene Online-Tools. Dadurch kann jeder ortsunabhängig die anfallenden Aufgaben dem eigenen Rhythmus entsprechend abarbeiten. Für ein paar Stunden am Tag sind wir jedoch auch gleichzeitig am Rechner und können uns über Arbeitsfortschritte oder Probleme austauschen. Allerdings bringt die Arbeit übers Internet – fernab eines Büros mit geregelten Arbeitszeiten – auch den Nachteil mit sich, dass ich rund um die Uhr auf mein Smartphone und eine funktionierende Internetverbidnung angewiesen bin.

Als Geschäftsführerin unseres noch sehr jungen Verlags arbeite ich in allen Bereichen: Marketing, PR, Vertrieb, Finanzwesen. Doch am liebsten beschäftige ich mich mit den herstellerischen Themen wie Satz, Layout und der Arbeit mit den Druckereien. Auch der enge Kontakt zu meinen Autoren und Illustratoren macht mir viel Freude. Ich frage dann nach ihren Wünschen und Ideen und gebe ihnen die Gelegenheit diese einzubringen.

Mein Tag endet zwar zu unterschiedlichen Zeiten, aber immer gleich: Nämlich damit, dass ich meinen Schreibtisch leer räume, sodass ich am nächsten Morgen mit einem freien Kopf starten kann. Dieser einfache Tipp eines Coaches war für mich Gold wert.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Am Anfang musste ich alle Entscheidungen selbst treffen und Unsicherheiten mit mir alleine klären. Das war frustrierend und ich stand oft an einem Punkt, an dem ich nicht weiterkam. Über verschiedene Wege sind dann Menschen auf mich zugekommen, die mich nun als kleines Team in allem unterstützen. Dadurch sind viele neue Ideen entstanden, auch der Verlagsname und das Logo sind durch zwei meiner lieben Kolleginnen geboren worden. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten mit der Wahl des richtigen Online-Kommunikationskanals sind wir jetzt aber auch hier gut für eine städteübergreifende Verlagsarbeit gerüstet. Seit Kurzem habe ich auch eine Praktikantin an meiner Seite, die mir wunderbar bei den textlichen Arbeiten und der Betreuung der Social Media-Kanäle unter die Arme greift.

Das Schönste ist, dass wir alle mit Herzblut hinter dem Verlag stehen und uns gegenseitig unterstützen und motivieren. Bisher verdient noch niemand von uns Geld mit dem Verlag, aber die Freude an der Arbeit ist da und jeden Tag lernen wir etwas Neues.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Das typische Problem kleiner neuer Verlage: Wie werde ich bekannt und von den Buchhändlern ernst genommen? Dazu kommt in meinem speziellen Fall: Wie kläre ich Kunden und Händler über die negativen Seiten der Buchproduktion auf, bringe ihnen damit den Ursprung meines besonderen Verlagskonzeptes näher und verkaufe dabei gleich noch meine Bücher? … und das am besten ohne bösen Fingerzeig.

Zur Zeit versuchen wir verstärkt in Social Media-Kanälen unsere Kunden zu erreichen. Das klappt ganz gut, erfordert aber auch viel Zeit und Arbeit.

Schön wäre es, wenn das Thema Nachhaltigkeit eines Tages auch in der Buchbranche eine gewissen Präsenz erreicht hat, sodass die Kunden automatisch umweltfreundlich produzierte Bücher kaufen möchten und wir nicht mehr so viel Zeit in Aufklärungsarbeit investieren müssten. Aber genau deshalb habe ich ja auch den neunmalklug verlag gegründet, damit dieser Traum irgendwann Realität wird.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Menschen aus der Buchbranche, Händler, Förderer, die sich ebenfalls mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen und wie wir über den Tellerrand schauen.

Wo finden wir Sie im Internet?

www.neunmalklug-verlag.de

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Charlotte Stiefel