Die Initiative für eine stärkere Vernetzung der Buchbranche. Seit 2009. Von Leander Wattig / Orbanism.

Christoph Seydel: Mit lituro vereinfachen wir die Vermarktung von Büchern

15. August 2015

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Christoph Seydel

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Christoph Seydel und ich bin Gründer von lituro. Wir vereinfachen die Vermarktung von Büchern für Autorinnen, Autoren und Verlage und arbeiten an einer Plattform, die buchbezogene Daten und Informationen über Schriftstellerinnen und Schriftsteller für Lesende bereitstellt.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Früh aufstehen und spät schlafen gehen – das ist im Moment Alltag für mein Team und mich. Aber es macht Spaß, lituro wachsen und sich entwickeln zu sehen. Jeder Tag bringt etwas Neues: neue Kunden, neue Verhandlungen und viele neue Kontakte, die wir knüpfen dürfen. Alles, was lange Zeit nur in meinem Kopf gewirkt und sich einige Male um sich selbst gedreht hat, bis es ein richtiges Konzept wurde, wird jetzt Realität. Mein Tag besteht mittlerweile also vor allem aus Kundengesprächen, Mitarbeitergesprächen und Präsentationen von lituro auf Konferenzen und Meetings. Es ist spannend für mich zu sehen, wie Menschen auf unsere Geschäftsidee reagieren und wie gut es bisher angenommen wird. Offenbar ist es wirklich so, dass wir eine Lösung für ein Problem anbieten, an die bisher niemand gedacht hat. Wir bekommen viel Feedback von Autorinnen, Autoren und Verlagen, die uns bestätigen, wie einfach und hilfreich unsere Vermarktungstools sind und dass wir Ihnen wirklich die Arbeit erleichtern — das ist ein schönes Gefühl, das man mit in den späten Feierabend nimmt.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Als lituro zunächst nur eine Idee und noch kein Geschäftsmodell war, arbeitete ich Vollzeit in meinem Job als Applikationsentwickler. Das Projekt lituro wurde aber immer bedeutsamer für mich, bis ich irgendwann entschieden habe, es zu meiner Profession zu machen. Als Geschäftsführer eines Unternehmens habe ich natürlich andere Aufgaben als vorher. Zu Beginn musste ich erst einmal in die Rolle hineinfinden und habe dabei wahnsinnig viel dazugelernt. Zwar war ich vorher bereits selbständig, aber mit einem Herzensprojekt, wie lituro es für mich ist, ist man nochmal mehr mit Blut, Schweiß und Tränen involviert. Auch hat sich verändert, dass ich nun Verantwortung für meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe und ich möchte ihnen die Möglichkeit geben, sich zu entfalten und aktiv einzubringen.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ich habe im letzten Jahr die Erfahrung gemacht, dass es gerade die vermeintlichen ‚Probleme‘ sind, von denen man lernt, indem man kreative Lösungsansätze findet und flexibler zu reagieren lernt. Momentan beispielsweise versuchen wir, ein richtiges Literaturnetzwerk aufzubauen. Wir suchen den Kontakt zu Autorinnen, Autoren und Verlagen, um unsere Produkte vorzustellen und hoffen natürlich, dass sich weitere Partner finden, die uns ihr Vertrauen schenken und uns gerade jetzt zu Beginn unterstützen, auch wenn wir noch keinen langen Track-Record aufzuweisen haben. Bereits jetzt haben wir viel Unterstützung erfahren, die uns hilft, unsere Vision zu verwirklichen, die für die ganze Branche ein Aufbruch sein kann.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Wie bereits gesagt bauen wir gerade unser Literatur-Netzwerk auf — wir freuen uns also über alle guten Kontakte. Und gerade jetzt, wo lituro noch ganz neu auf dem Markt ist, ist Feedback enorm wertvoll für uns. Besonders freuen wir uns auch über Kontakte zur Selfpublishing-Szene, denn hier haben wir noch mehr Potential.

Wo finden wir Sie im Internet?

Wir freuen uns über Besuche auf www.lituro.de und arbeiten zudem gerade ausdauernd daran, schnell für Verlage und Lesende zu starten. Die Autorenseite ist in der letzten Woche online gegangen und es gibt für die ersten 100 Autorinnen und Autoren für drei Monate lang einen kostenlosen Premium-Zugang, mit dem man die Autorenseite ganz einfach mit der eigenen Domain nutzen kann. Außerdem kann uns natürlich jeder, der die klassische E-Mail bevorzugt, sehr gerne direkt unter dialog@lituro.de erreichen.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Christoph Seydel

Julia Starp: Ich wollte aus Fairy Tale Heroes noch mehr machen als „nur“ eine Modekollektion

10. August 2015

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Julia StarpWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Julia Starp, lebe und arbeite in Hamburg und tauche gerade in die für mich völlig neue und spannende Welt der Bücher ein. Als Modedesignerin sind Bücher für mich bislang wichtige Informations- und Inspirationsquellen meiner Arbeit gewesen – und nun mache ich zum ersten Mal selber ein Buch, und zwar ein ganz besonderes Märchenbuch.

Für mich ist das spannendste daran, dass zwei Welten miteinander in Interaktion treten: Meine Mode und die Texte von den Brüdern Grimm und Hans Christian Andersen. Die Märchen sind wie ein Schatz, laden zum Träumen ein und sind absolut zeit- und alterlos. Und sie haben mich zu meiner Kollektion Fairy Tale Heroes inspiriert, die ich zum ersten Mal 2014 auf der Fashion Week Berlin präsentieren durfte. Da ich mich diesen Geschichten so sehr verbunden fühle, wollte ich aber noch mehr daraus machen als „nur“ eine Modekollektion, und so entstand die Idee zu dem Buch. Doch erst, als auch noch ein für mich persönlich sehr wichtiger Charity-Gedanke hinzukam, fügte sich alles richtig zusammen und ich begann, die 13 originalen Märchengeschichten mit Hilfe von renommierten Fotografen in neuen und modernen zu erzählen.

Alle Beteiligten, also Fotografen, Models, Künstler, Assistenten und die „Buchmacher“ arbeiten ohne Bezahlung, denn alle Erlöse, die wir mit unserem Märchenbuch erzielen, gehen an den Verein Verwaiste Eltern und Geschwister Hamburg e.V. Dieser Verein hat meiner besten Freundin in der schwersten Krise, die man sich vorstellen kann, sehr geholfen. Deswegen ist es mir wichtig, die schwierige Arbeit, die dort geleistet wird, zu unterstützen und in die Öffentlichkeit zu bringen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Seit Anfang des Jahres, also seit nun mehr acht Monaten, arbeite ich an der Entstehung und Umsetzung des Märchenbuchs. Einen „typischen“ Arbeitstag gibt es nicht, jeder Tag bringt neue Herausforderungen. Neben der eigentlichen Arbeit für die Organisation der mindestens 13 Fotoshootings, mit 13 unterschiedlichen Teams und der Entwicklung weiterer Märchenhelden-Outfits, sind jede Menge Pressearbeit und Interviews zu bewältigen.

Für ein Shooting setze ich mich zunächst mit dem jeweiligen Fotografen zusammen und wir überlegen gemeinsam, wie wir das Märchen, das er oder sie sich ausgesucht hat, am besten erzählen und in Bildern transportieren können. Dann wird ein Termin gesucht, der allen passt und die Location sowie zusätzlichen Requisiten werden organisiert. Nach jedem Shooting veröffentliche ich ein Making of mit Text und Bild auf der Buch-eigenen Website und auf verschiedenen Social Media-Kanälen, um die bereits entstandene Fangemeinde über den Fortschritt, die Hürden und Fügungen zu unterrichten. Parallel beschäftige ich mich mit unterschiedlichen Buchdruckern, um das Beste vom Besten zu finden und die hochwertigste und edelste Umsetzung des Buches zu bekommen. Hier lerne ich gerade viel über unterschiedliche Papierarten, die Märchenbuch- und zugleich Foto-gerecht sein müssen. Ich arbeite bei all dem mit vielen unterschiedlichen tollen Menschen zusammen, die alle mit so viel Herzblut dabei sind und es überhaupt erst ermöglichen, ein non-Profit Buchprojekt wie dieses nach vorne zu bringen.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Es ist kaum zu glauben, aber je mehr das Pensum steigt, das dieses Buch an Arbeitsintensität einfordert, umso ruhiger aber auch entschlossener und zuversichtlicher werde ich. Am Anfang hatte ich noch so viele Fragen: Was kommt da eigentlich auf mich zu? Ist das wirklich zu schaffen? Wollen die Leute das überhaupt sehen? Bekomme ich die Teams zusammen, wer wird mir helfen? Eine Routine gibt es nicht, wird es nie geben, dafür sind zu viele Variable im Spiel. Ob das Wetter sich quer stellt, unerwarteter Model-Ausfall oder Terminumlegung, es gibt nichts, was noch nicht passiert ist, aber auch nichts, was nicht lösbar ist. Zudem ist es mit den Ergebnissen der ersten Shootings wesentlich einfacher geworden die Medien, Schauspieler und Sponsoren von dem Buch und der Idee des Projektes zu begeistern.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Mein Motto ist: Es gibt keine Probleme, man muss nur manchmal nach einer neuen Lösung suchen. Dennoch ist es zur Zeit sehr wichtig, noch mehr Öffentlichkeit für das Buch und die Idee, die dahinter steht, zu generieren.

Bei startnext findet gerade ein wichtiges Crowdfunding statt, um den Buchdruck für die Erstauflage von 500 Stück überhaupt finanzieren zu können (hier kann das Buch auch bereits vorbestellt werden).

Der Hauptvertrieb des Buches ab Herbst wird bislang über meinen Online-Shop laufen sowie über einige ausgewählte Händler in Hamburg und Berlin. Ich würde mich aber über noch mehr Buchhandlungen freuen, die das Buch „offline“ anbieten können, denn nicht jeder Interessierte ist mit dem Internet vertraut.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Jeder, der sich für Kunst und Mode interessiert und der mein Märchenbuch und damit den Verein Verwaiste Eltern und Geschwister e.V. unterstützen möchte – sei es durch Verbreitung und Vernetzung, durch einen Beitrag zum Crowdfunding oder dadurch, dass er das Buch in seinem Geschäft anbieten möchte. Außerdem plane ich gerade für die Zeit nach der Veröffentlichung Ausstellungen mit den Fotos und den Outfits der Fairy Tale Heroes, dabei bin ich für jede besondere Idee offen!

Wo finden wir Sie im Internet?

Crowdfunding noch bis Ende August unter: startnext.com/fairytaleheroesmaerchenbuch

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Julia Starp

Julia Bierstedt: Ein Fokus unseres Studiums sind praktische Erfahrungen im Literaturbetrieb

3. August 2015

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Julia Bierstedt Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich stehe kurz vor meinem Masterabschluss im Studiengang „Angewandte Literaturwissenschaft“ an der FU Berlin, habe dort zwei Jahre studiert und meinen Fokus auf Literaturvermittlung und Journalismus gesetzt. Nebenbei habe ich in einer Onlineredaktion gearbeitet, um die Studiengebühren zahlen zu können und neben der Uni nochmal ein paar andere Menschen und Inhalte kennenzulernen.

Gleichzeitig bin ich an der Uni wiederum Teil einer Redaktion, die in Kooperation mit der Büchergilde Gutenberg an einem Buchprojekt arbeitet. Ein Fokus unseres Studiums liegt vor allem auf praktischen Erfahrungen im Literaturbetrieb. Ausgehend von einem Seminar bei Verleger Mario Früh und Kai Splittgerber, in dem wir eine ganze Menge theoretischen Input zu Unternehmensführung und Marketing im Verlagswesen bekamen, haben wir im Oktober 2014 gleich die Herausforderung angenommen, selbst ein Buch herzustellen – von der Konzeption bis zum lektorierten Manuskript.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich kümmere mich neben meiner Masterarbeit noch um den Restvertrieb meines letzten Buches, das von Jugendlichen geschrieben wurde und im Kleinstverlag Boombooks erschien, will in meiner Masterarbeit ein transmediales Erzählkonzept entwickeln, um die entstandenen Geschichten noch einmal im interaktiven Format zu veröffentlichen und arbeite nebenbei beim „Monopol – Magazin für Kunst und Leben“. Seitdem ich wieder in Berlin lebe, bin ich also lokal- oder generationstypisch in diesen Modus übergegangen, in dem man immer ein paar ¨Projekteprojekte¨ hinter sich herzieht oder auch mal anschiebt. Eines davon führt zur Zeit zu regelmäßigen Sitzungen mit unserer „Experten“-Redaktion. Mit unserem Buch Auf dem Markt der Experten, das im Frühjahr 2016 bei der Büchergilde erscheinen wird, gehen wir Fragen nach wie „Was ist eigentlich ein Experte?“, „Was macht einen Experten aus?“ und „Wie geht die Gesellschaft mit Experten um?“.

Zurzeit lektorieren wir die nach und nach eingehenden Texte unserer Autorinnen und Autoren, machen Menschen auf unser Projekt aufmerksam und bringen unsere Crowdfunding-Kampagne auf Startnext ins Rollen. Größtenteils also Schreibtischarbeit und für die Masterarbeit manchmal Feldforschung mit Audiowalks oder unterwegs beim Geocachen.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Obwohl ich schon einmal ehrenamtlich ein (eben erwähntes) Jugendbuchprojekt von der Idee bis zum Vertrieb begleitet habe, ist dann mit jedem neuen Projekt doch wieder alles auf Anfang gesetzt. Erst kommt die Idee, dann muss man durchhalten, irgendwie weitermachen bis es konkreter wird, man den Fortschritt bemerkt. Unser Thema ist eben doch sehr unübersichtlich oder glüklicherweise eben sehr vielschichtig. Aber nach einigen Diskussionen und Abstrichen, wenn die ersten Autor_innen zusagen und man sieht, dass es auch für andere spannend ist, nimmt man Fahrt auf und bekommt Lust auf die nächsten Schritte. Erst haben wir lange überlegt, was uns an der Figur des Experten interessiert oder irritiert und wer geeignet wäre, die aufkommenden Fragen zu beantworten.

Um dieses eher trocken anmutende Thema ansprechend zu gestalten, kamen wir auf die Idee, die Texte zusätzlich mit Illustrationen zu begleiten und fanden mit Malte Grabsch auch schnell den passenden Illustrator.

Es macht dann eben doch einen Unterschied, ob ich mich als Leser_in für ein Buch im (kleinen) Buchladen (um die Ecke) begeistere oder selber überlege, wie man ein Sachbuch spannend gestaltet. Und die Chance bekommt man als Branchennachwuchs ja auch nicht aller Tage. Ich hätte natürlich auch Lust darauf, nach dem Studium weiterhin meine Ideen umzusetzen oder mit Verlagen zusammenzuarbeiten, ein bisschen desillusioniert wird man dann aber schon manchmal, wenn man von Komiliton_innen hört, die … – naja die alten Kaffeekochmärchen eben. Um das Gefühl loszuwerden, dass allein der Besuch der Arbeitsamtmitarbeiterin in einem unserer Seminare verursacht, hat man aber wiederum auch noch ein, zwei Semester Zeit. Dann bleibt es hoffentlich ausreichend spannend.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Es geht schnöderweise gerade ums Geld. Wir wollen unsere Startnext-Kampagne erfolgreich zu Ende bringen, die noch bis zum 07. August laufen wird. Ein paar Euro und neue facebook-Freund_innen sind unser nächstes Ziel. Wir glauben, dass die Figur des Experten ein Schlüssel sein kann, um unsere Gegenwart zu verstehen. Wenn ihr unser Projekt auch interessant findet, unterstützt uns dabei! Ich persönlich möchte natürlich auch bald mein Studium abschließen. Es wäre doch toll, wenn das mit einem Buch in den Händen passiert! Schließlich bin ich bei all den Unibesuchen die letzten sechs Jahre täglich von den Büchern anderer begleitet worden. Das Gefühl, das eigens co-betreute Projekt in einem kompakten Leineneinband nach Hause tragen zu können, hilft auf jeden Fall, all die ¨Was, du studierst Kunst-und-Literatur?¨-Stimmen, zu übertönen. Und wenn das passiert, was uns mit Boombooks beim Kinderbuch passiert ist, nämlich eine Shortlistnominierung als eines der ¨schönsten deutschen Bücher¨, hat man am Ende auch noch nen Aufkleber, den man sich auf die Stirn kleben kann.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Wir freuen uns über alle Kontakte und jede Unterstützung. Also liked und teilt unsere Facebook-Seite und tragt unser Projekt weiter. Wenn ihr in Spendierlaune seid, unterstützt uns auf Startnext.

Wenn das Buch dann erscheint, freuen wir uns natürlich auch sehr darauf, mit euch auf unserer Premieren-Feier anzustoßen, die im Frühjahr 2016 in Berlin stattfinden wird!

Wo finden wir Sie im Internet?

Infos zum ¨Expertenbuch¨ bekommt ihr unter: www.facebook.com/marktderexperten

Hier geht’s ums Geld: www.startnext.com/markt-der-experten

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Julia Bierstedt

 

Franziska Regner: Ich leite den Bereich Innovation und Entwicklung an der ETH-Bibliothek Zürich

24. Juni 2015

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Franziska RegnerWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Franziska Regner. Ich leite den Bereich Innovation und Entwicklung an der ETH-Bibliothek Zürich. Mit Büchern in ihrer Materialität habe ich beruflich wenig zu tun, da sich die meisten Projekte im Bereich Innovation und Entwicklung mit digitaler Informationsversorgung befassen. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass auch Innovationen und Entwicklung in digitalen Bibliotheken nicht ohne das Buch auskommen. Dies in doppelter Hinsicht:

  1. Gelesen wird immer, ob digital oder analog.
  2. Ohne das Buch bzw. dessen Nachfolgeformate kann sich kein kritisches Denken, kein kritischer Geist und auch kein kritischer Diskurs entwickeln.

Diese Elemente sind ein wesentliches Element jeder Innovation und jeder Entwicklung.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Jeder meiner Arbeitstage jongliert zwischen Freiraum und Struktur. Wie meine acht Mitarbeiterinnen verwende ich jeden Tag mindestens 30 Minuten auf das „freie“ Lesen. Ich lese Blogbeiträge, Buch- und Zeitschriftenartikel, Newsletter, E-Mail-Verteiler und setze Posts in unserem Intranet, um auch die Kolleginnen und Kollegen an der ETH-Bibliothek über interessante Erkenntnisse aus der Lektüre zu informieren. Vorgegebene Inhalte und Struktur erhält mein Arbeitstag durch E-Mail-Korrespondenzen, Sitzungen, Dienstreisen. Ganz wichtig sind für mich daneben Gespräche. Im Bereich Innovation und Entwicklung wie auch sonst zum Teil in der ETH-Bibliothek pflegen wir zum regelmässigen Austausch das traditionelle Format des Jour Fixe, in dem ich immer wieder viel von meinen hervorragenden Kolleginnen lerne. Daneben spielen informelle Gespräche beim Kaffee oder Mittagessen – mit Kollegen aus der ETH und mit Personen aus anderen Einrichtungen – für mich eine wichtige Rolle.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Meine Berufserfahrung beträgt erst fünf Jahre. Davon bin ich ein gutes Jahr in meiner jetzigen Position an der ETH beschäftigt. Vor diesem Hintergrund kann ich (noch) nicht von einer grossen Veränderung der Arbeit bzw. der Formate und Praktiken sprechen. Ich denke aber und höre das auch von erfahreneren Kolleginnen und Kollegen, dass die immer noch zunehmende Digitalisierung des Lebens und der Arbeitswelt in der Vergangenheit starke Veränderungen mit sich gebracht hat. Ich selbst stelle fest, dass ich – gerade weil ich sehr viel Energie in meine Arbeit stecke und sie mir grossen Spass macht – trotz der technischen Möglichkeiten beruflich nicht ständig erreichbar sein kann und will. Ausreichender Freiraum und Zeit für Familie, Freunde und ausserberufliche Interessen sind für mich sehr wichtig. Ohne diesen Freiraum sinkt meine Leistungsfähigkeit. Freiraum ist also auch im digitalen Zeitalter aus meiner Sicht essentiell und stärkt im Übrigen die Kreativität auch im beruflichen Kontext.

Wovon ich selbst profitiere, ist die Leistung vieler Frauen und Männer, die v.a. in den vergangenen Jahrzehnten für Gleichberechtigung im Job gekämpft haben. Unsere Generation profitiert sehr von den heutigen Möglichkeiten. In Wertschätzung der Leistung der um Gleichberechtigung bemühten Generationen vor mir sind in meiner Führungsposition die Unterstützung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie (für Frauen und Männer!) und das Diversity Management ein grosses Anliegen. Hier sind immer noch viel Bewegung und Veränderung im Gange, die ich sehr begrüsse.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Um bei dieser Frage die Nähe zum Buch herzustellen: Wie finden wir schicke und wirklich attraktive Formate für unsere „virtuellen Ausstellungen“ – also Ausstellungen, die aus digitalisierten Büchern und anderen digitalisierten Materialien zusammengestellt werden? Wie schlagen wir eine neuartige Brücke zwischen Analogem und Digitalem und berücksichtigen in adäquater Form, welche anderen Akteure – z.B. Zeitungsverlage – in diesem Feld schon aktiv sind?

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Ich bin in der glücklichen Situation, dass der Aufbau und die Pflege von Netzwerken zu meinen regulären Arbeitsaufgaben zählen. Vor diesem Hintergrund kann ich offen und ehrlich sagen: Ich bin an allen Kontakten interessiert, die echte Gespräche zulassen. Ganz wesentlich ist aus meiner Sicht, dass sich die Gesprächspartner wirklich zuhören und die Perspektive des Anderen, auch wenn diese ungewohnt erscheinen mag, als Bereicherung annehmen. Fachliche Expertise, die ich selbst in derartige Gespräche einbringen kann, betreffen folgende Felder: Innovationsmanagement, Aufbau von Informationsinfrastrukturen für Forschung und Lehre, digitale Kommunikation, Kooperationsprojekte im Feld digitaler Bibliotheken, Wissenschaftsmanagement, Forschungsförderung, Provenienzrecherche in Bibliotheken.

Wo finden wir Sie im Internet?

Die ETH-Bibliothek ist auf folgenden Social-Media-Kanälen aktiv: Twitter, Facebook, Google+. Weitere Informationen zur ETH-Bibliothek, zum Bereich Innovation und Entwicklung sowie natürlich zu unseren Büchern finden Sie im Wissensportal.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Franziska Regner

Karin Struckmann: Ich habe den Erotik-Verlag CUPIDO BOOKS gegründet

4. Juni 2015

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Karin StruckmannWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Karin Struckmann und habe vor etwas über einem Jahr den Erotik-Verlag CUPIDO BOOKS gegründet.

Erotik mit einem anderen Menschen zu erleben, ist ein wichtiger Teil unseres Lebens, im besten Fall. Viel zu oft kommt sie zu kurz, leider, und dann ist es eine wunderbare Ergänzung des Alltags, zumindest davon zu lesen und sich dabei in Träumen verlieren zu können.

Seit einigen Jahren hatte ich beobachten können, dass das quantitative Angebot an erotischer Literatur zunehmend von der Möglichkeit der Online-Bestellung profitierte. Männer schauen Bilder, Frauen lesen: Trotz der Cover, die in alter Tradition eher dazu taugten Männer anzumachen, trotz der oft eher anspruchslosen literarischen Qualität, trotz der Mängel in häufig kaum lektorierten Selbstpublikationen. Der Gedanke lag nahe zu versuchen, das Genre aus der Schmuddelecke zu ziehen und es mit ästhetischen Covern und aufmerksam lektorierten Texten attraktiver für Frauen zu machen. Was wollen wir in unseren Träumen erleben? Schöne Gefühle! Und das möglichst ungebremst. Rechtschreibfehler, logische Brüche, faktische Fehler passieren schon mal im Schreibflow, und wer als Verlag halbherzig lektoriert oder als Autor die begeisterte Freundin beta-lesen lässt, tut sich und den Lesern nichts Gutes.

Zunehmend werfen auch größere Verlage mit eigenem Label massenhaft Erotik auf den Markt, steigen mit 90 Neuerscheinungen pro Monat ein – für mich ist das literarisches Fast Food. Ich finde, es spricht nichts dagegen, eine erotische Geschichte ebenso gewissenhaft zu lektorieren und zu produzieren wie einen „normalen“ Roman. Es ist weniger lukrativ, dafür aber befriedigender für alle Beteiligten. In diesem Genre nicht ganz unwichtig! Erotik funktioniert auch im Low Level, aber das bedeutet ja nicht, dass man sich darauf beschränken muss.

Ich hielt es für eine gute Idee angesichts der inflationären Menge an Publikationen auf dem eBook-Markt (die selbst dann nicht aus den „Regalen“ verschwinden, wenn sie niemand kauft), mit Cupido Books eine Marke zu schaffen, bei der sich der/die LeserIn darauf verlassen kann, eine sorgfältig produzierte Geschichte zu bekommen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich widme mich den ganzen Tag anstehenden Mails, Nachrichten in sozialen Netzwerken, Angeboten und Vertriebsfragen, neuen Manuskripten, Koordination meiner freien Mitarbeiter, Lektorat, grafischer Gestaltung, Buchhaltung, ich betreue unsere Website und die Verlagsauslieferung der gedruckten Bücher und und und … Mittlerweile arbeite ich mehr daran, Cupido sichtbar zu machen, als an neuen Publikationen!

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Nachdem ich monatelang nach Feierabend meines Brotberufs an Manuskripten gesessen hatte, war irgendwann klar: Das geht nur ganz oder gar nicht. Ich hätte zu Anfang nicht gedacht, dass meine vage Idee so schnell Gestalt annehmen und vor allem auch so gutes Feedback bekommen würde. Außerdem übernimmt man eine gewisse Verantwortung gegenüber den AutorInnen, dass man sich voll einsetzt für das, was einem anvertraut wird. Jetzt arbeite ich also freiberuflich, und ich bin mit dieser Lösung sehr glücklich.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Mir fehlt der größere finanzielle und damit auch der vertriebliche Hintergrund. Es dauert lange, bis man sich am Markt etablieren kann. Vor allem in diesem Genre ist die Mund-zu-Mund-Propaganda eingeschränkt. Frau sagt es einfach nicht der Nachbarin, wenn sie ein Buch besonders erregend findet! Wieso eigentlich nicht?! Der stationäre Buchhandel ist nahezu bedeutungslos, und für großflächige Werbemaßnahmen braucht man viel Geld. Und dass manch großer Shop wenig übrig hat für Verlage (seien sie auch noch so klein und „indie“), ist ein ständiger Stolperstein. Rezensionen, Öffentlichkeit, Sichtbarkeit – das ist es, was ich brauche!

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Ich suche Kontakte zu anderen Frauen, die sich im Bereich Erotik mit ähnlichen Ansprüchen an die Öffentlichkeit wenden – mit Erotikshops, Webseiten, Publikationen. Ich freue mich über neue AutorInnen und Manuskripte! Und über Blogger, die Bücher von CUPIDO BOOKS lesen und rezensieren, und ihre Ansichten im Netz teilen. Wunderbar wäre auch, noch mehr Buchhandlungen zu finden, die unser kleines Sortiment bekannt machen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Karin Struckmann

In eigener Sache: Interview mit @wasmitbuechern-Herausgeber Leander Wattig

24. Mai 2015

In dem Interview bei Melanie Raabe geht es u.a. darum, warum ich seit 2009 „Ich mach was mit Büchern“ am Laufen halte. Ein kleiner Blick hinter die Kulissen.

Biographilia – inspiring people next door: Leander, 33, Berlin

An sich interviewe ich ja lieber selbst andere Leute. Ich kenne aber nur wenige so sympathische Menschen wie Melanie Raabe, deswegen ist es toll, ihr Rede und Antwort zu stehen. Bei ein paar Fragen musste ich erstmal kurz in mich gehen. Was aber nicht unbedingt heißt, dass dabei was Sinnvolles rausgekommen ist. :)