Die Initiative von Leander Wattig für eine stärkere Vernetzung der Buchbranche. Seit 2009.

Ivar Leon Menger: Ich bin eBook-Verleger für Thriller, Krimis, Mystery und Suspense

2. September 2014

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Ivar Leon MengerWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Ivar Leon Menger und seit September 2009 Verleger und Geschäftsführer der Psychothriller GmbH. Unser eBook-Verlag konzentriert sich ausschließlich auf die Veröffentlichung von Spannungsliteratur – von Thriller bis Horror – also alles, was Gänsehaut erzeugt. Unser Fokus liegt dabei auf der Entdeckung und Bekanntmachung neuer Autorentalente wie z.B. Anette Strohmeyer, Raimon Weber oder Andreas Krusch. Darüber hinaus veröffentlichen wir beliebte Thriller-Klassiker zum allerersten Mal als eBook, die als physisches Buch leider schon vergriffen sind, wie zum Beispiel „Rosemarys Baby“ von Ira Levin oder Shirley Jacksons „Spuk in Hill House“.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Mein Verlagstag beginnt morgens um 8 Uhr – mit Cappuccino und iPad. Dann wird erst einmal ganz entspannt in den Tag gesurft: Facebook, Handelsblatt, t3n Magazin, deutsche-startups. Wenn ich dann so langsam wach geworden bin, werden die E-Mails gecheckt und sortiert. Einfache Anfragen beantworte ich dabei sofort, komplexere Dinge verschiebe ich in den „To do“-Ordner. Dann ab 10 Uhr kommt meine Lieblingszeit: die Telefonzeit, das liebe ich! Dann telefoniere ich mit meinen Autoren, wir sprechen dabei über aktuelle Manuskripte oder über neue Ideen und Serienkonzepte. Oder Privates. Dabei vergisst man leicht die Zeit und es schon Mittag. Und da gehe ich mit meinem Hund in den Wald. Ab 14 Uhr arbeite ich meistens gestalterisch an neuen Covern, FB-Ads, Anzeigen und Werbekonzepten, plane Kooperationsgeschäfte, prüfe neu eingereichte Manuskripte oder sitze an technischen Neuentwicklungen. Wie zum Beispiel aktuell an unserer neuen eBook-Leseplattform – dem Psychothriller.Club, bei dem man keinen eReader mehr braucht, nichts downloaden und keine App installieren muss, sondern direkt im Browser des Smartphones oder Tablets lesen kann. Bezahlt wird dabei kapitelweise mit Laterpay. Auf diesem Gebiet experimentieren wir gerade sehr viel, um uns von den großen Playern wie Amazon, iTunes, etc. in Zukunft etwas unabhängiger zu machen. Mal schauen, wie das Projekt von unseren LeserInnen angenommen wird. Geplant ist, dass wir in wenigen Wochen zu unserem 5-jährigen Verlagsjubiläum mit der Beta-Version im Netz starten. Ja, und dann ist es meistens schon 18 Uhr, wieder Zeit mit meinen Hund in den Wald zu gehen. Bis ca. 21 Uhr surfe ich dann noch privat mit dem iPad, beantworte dabei die letzten Anfragen und Kommentare, die über unsere FB-Verlagsseite gestellt werden. Und danach lege ich mich ins Bett, lese in Ruhe die neuesten Manuskripte – bis ich gegen 1 Uhr mit dem eReader in der Hand einschlafe …

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Über die Zeit hat sich nicht nur meine Arbeit, sondern sogar mein Beruf mehrmals verändert. Angefangen bei meinem Diplom. Nachdem ich in Hildesheim Grafik-Design studiert hatte, habe ich in einer Frankfurter Werbeagentur als Texter gearbeitet. Nach fünf Jahren habe ich dann gekündigt und als Regisseur gearbeitet. Habe in einer Darmstädter Videothek gejobbt, zwei Kurzfilme mit Florian Lukas, Fabian Busch und Justus von Dohnányi gedreht, die ersten Langfilm-Drehbücher geschrieben und zusätzliches Geld als Werbefilm-Regisseur verdient, u.a. für Kellogg’s, Ariel und Audi. Da jedoch keine Produktionsfirma meinen ersten Langfilm produzieren wollte, habe ich damals zusammen mit einem Freund, dem Sprecher Jan-David Rönfeldt, ein Hörspiel aus meinem Thriller-Drehbuch „Der Prinzessin“ gemacht und es in Hamburg aufgenommen. Über diese Tonaufnahme habe ich den wunderbaren Jens Wawrczeck kennengelernt, den Sprecher von Peter Shaw (Die drei ???), der mich als Autor bei Sony Music vorgeschlagen hat. So wurde ich ungeplant Hörspiel-Autor. Während dieser Arbeit wurde mir auch Oliver Rohrbeck (Justus Jonas) vorgestellt, der gerade sein Label „Lauscherlounge“ in Kreuzberg gegründet hatte. Wir haben uns gleich sehr gut verstanden und so habe ich auch Hörspiele und Serien für sein Label geschrieben. Wie z.B. die Mystery-Serie „Darkside Park“, die damals leider nur 300 CDs verkauft hatte. Deshalb wollte Oliver die Serie wieder einstellen. Ich spürte aber, dass es viel mehr Menschen gefallen würde, wenn sie überhaupt von dieser neuen Serie wüssten. Ich habe dann aus dem Bauch heraus das gesamte Erbe meiner Großeltern investiert, einen Verlag gegründet, die Rechte zurück gekauft, 18 Folgen von „Darkside Park“ auf einen Schlag produziert und mit meinem Background als Werber die Hörbuch-Serie bekannt gemacht. Das Ergebnis: 5 Wochen Platz 1 in den iTunes-Charts und mehr als 50.000 Downloads. Da wusste ich, ich bin auf dem richtigen Weg. Ich war angekommen, ohne das Ziel vorher zu kennen. Plötzlich war ich Verleger. Und ich liebe es!

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Tatsächlich fehlt mir Zeit. Mein Tag könnte ruhig 20 Stunden mehr haben. Das betrifft besonders das Prüfen der eingereichten Manuskripte. Da ich jedes Manuskript selbst lese, braucht das leider seine Zeit. Ich merke jedoch schon relativ schnell – nach ca. 5 Seiten, ob mir das Buch gefällt und zu unserem Verlag passt oder nicht. Und hier suche ich tatsächlich noch freie Lektoren, die Thriller und Crime lieben, und für uns diejenigen Manuskripte weiter prüfen, die bei mir die erste Hürde geschafft haben.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Wir verstehen uns als klassischen Autorenverlag, der neue Talente nicht nur entdeckt, sondern auch wirklich aufbaut. Deshalb freuen wir uns natürlich immer über spannende Manuskripte von talentierten Autorinnen und Autoren. Wir sind bei der Auswahl der Stoffe zwar sehr streng und veröffentlichen zwar nur ca. 3% der eingereichten Manuskripte, aber dafür ist das Verhältnis zwischen den Autoren und uns sehr familiär und auf eine lange, gemeinsame Zukunft angelegt.

Wo finden wir Sie im Internet?

Unseren Verlag Psychothriller GmbH findet man unter www.psychothriller.de, den mobilen Psychothriller.Club unter www.psychothriller.club und natürlich auch bei Facebook: www.facebook.com/psychothrillergmbh

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Ivar Leon Menger

Dr. Oliver Domzalski: Ich leite bei Carlsen den Programmbereich “Humor und Geschenkbuch”

26. August 2014

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Dr. Oliver DomzalskiWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Oliver Thomas Domzalski, ich bin Jahrgang 1960, promovierter Historiker und habe über ein Volontariat im Geschichtslektorat bei Fischer und das dortige Sachbuchlektorat meine wahre Bestimmung als einer der wenigen hauptamtlichen Humorlektoren in Deutschland gefunden – zunächst bei Eichborn, seit 2008 bei Carlsen. Hier leite ich den Programmbereich „Humor und Geschenkbuch“ und suche das Gleichgewicht zwischen Büchern, die ich selbst zum Totlachen finde, und solchen, die ich selbst nie verschenken würde und nie geschenkt bekommen wollte. Beide müssen professionell und gut gemacht sein.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

An vier Tagen bin ich (dem Schulkind sei Dank) ab ca. halb neun im Verlag. Auf der 40-minütigen S-Bahn-Fahrt dorthin lese ich genussvoll die Papierausgabe der „Süddeutschen“. Im Büro checke stets zuerst die tagesaktuellen Verkaufszahlen (ist im Dezember schöner als im Juni) und überlege mit meiner Kollegin Antje Haubner und unserer Praktikantin, was wir auf der Facebook-Seite „Carlsen Humorlabor“ veranstalten könnten. Danach lasse mich leider überwiegend von Outlook durch den Tag schieben. Aufgaben, die keine Ablenkung vertragen, erledige ich besser zuhause. Deshalb arbeite ich freitags am heimischen Schreibtisch. Und bei Bedarf auch an anderen Tagen halb oder ganz. Von meinem verehrten ersten Chef, Walter Pehle, habe ich den ultimativen Satz zum Thema „Präsenz im Verlag“ gelernt: „Die haben schließlich meinen Kopf gemietet und nicht meinen Arsch.“

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Abgesehen vom Gemeinplatz „Informationsoverkill / Emailflut etc.“: Früher suchten Verlage Autoren, die gut schreiben konnten – und garantierten die flächendeckende Verbreitung des Buchs durch Pressearbeit, Werbung und Vertrieb. Das können wir mittlerweile längst nicht mehr bei jedem Buch leisten, so dass Autoren immer stärker nach dem Kriterium ausgewählt werden, wieviel Reichweite (Facebook-Fans, Youtube-Abonnenten etc.) sie selbst mitbringen. Eine Veränderung, die mir persönlich entgegenkommt: Der kreative Anteil des Lektorats am Programm ist größer geworden. Wir reagieren nicht nur (mit einem Vertrag oder einer Absage) auf eingesandte Manuskripte, sondern entwickeln das Buchkonzept gemeinsam mit den Autoren – oder suchen uns manchmal sogar Autoren für unsere eigenen Buchideen.

Auf den technischen Fortschritt reagiere ich altersgerecht, also widerwillig. Ich mache erst mit, wenn der Nutzen für mich größer scheint als der Stress, den mir die Neuerung bereitet. Große Hürde für die Technik. Momentan bin ich ca. bei 2004: Ich habe ein Handy, aber kein Smartphone. Und lese ausschließlich auf Papier.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ich behaupte, dass es für fast jedes von mir verantwortete Buch eine potentielle Leserschaft im fünf- oder sechsstelligen Bereich gibt. Trotzdem landen wir viel zu oft bei erbärmlichen Verkaufszahlen. Also: Wie erfahren die Leute, dass es ein Buch gibt, das sie interessiert? Bei E-Books ist dieses Problem eher noch größer, aber man versenkt wenigstens nicht so viel Geld. Man könnte das Problem auch schlicht „Überproduktion“ nennen, aber dann liegt die Lösung außerhalb meines Einflussbereichs.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Jeglicher Austausch über die Gegenwart und Zukunft der Branche interessiert mich; dazu natürlich (Hinweise auf) Autoren mit guten Ideen für mein Programm – und mit Reichweite! Und wenn mein Job mir Zeit dafür lässt, kümmere ich mich in meiner Freizeit im Rahmen meines privaten Redaktionsbüros gerne darum, Texte aller Art so zu ordnen und zu redigieren, dass sie tatsächlich gelesen und verstanden werden. Oder auch humoristische Bücher aus dem Englischen zu übersetzen, ohne dass der Witz flötengeht.

Wo finden wir Sie im Internet?

Verlag: Auf der Website und bei Facebook (Carlsen Humorlabor).

Direkt: oliver.domzalski@carlsen.de und via XING.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Dr. Oliver Domzalski

Elke Heinemann: Ich schreibe Bücher und publiziere Hörfunkfeatures in der ARD

25. August 2014

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Elke HeinemannWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich lese Bücher, ich schreibe Bücher, ich zitiere aus Büchern und finde Zitate aus meinen Büchern in Büchern. Daneben publiziere ich Hörspiele und Hörfunkfeatures in der ARD.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich starte zwischen 10 und 12 Uhr vormittags mit einer großen Kanne Jasmintee. Wenn ich kann, beginne ich sofort mit Schreiben, Umarbeiten, Notieren. In anderen Zeiten muss ich morgens telefonieren, mailen, simsen. Nachmittags gehe ich ins Café, esse etwas, lese mein work-in-progress oder anderes, danach ein meditativer Spaziergang.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Verändert hat sich sicher die Recherche, die früher mühseliger war als in den Zeiten des Internet. Aber vielleicht verbringe ich jetzt auch mehr Zeit mit überflüssiger Recherche, mit diesem und jenem Text, der interessant ist, aber für mich nicht wirklich wichtig.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Es fällt mir schwer, das private Interesse an Büchern vom beruflichen Interesse an Büchern zu trennen, und so gibt es keinen Sendeschluß …

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Verlage, Literaturagenturen, Hörspiel- und Featureredaktionen

Wo finden wir Sie im Internet?

www.elke-heinemann.de, literaturport.de, lyrikwelt.de, facebook und twitter

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: © Heidi Scherm

Annette Piechutta: Als Ghostwriterin helfe ich Lebensgeschichten ins Rampenlicht

24. August 2014

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Annette PiechuttaWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich heiße Annette Piechutta. Um Schicksalen eine Stimme zu geben, helfe ich als Ghostwriterin mit meiner literarischen Dienstleistung außergewöhnlichen Lebensgeschichten ins Rampenlicht. Dabei bin ich (meist) eine unsichtbare Schreiberin und verfasse so Biografien, Tatsachenromane, Erfahrungsberichte und Firmenporträts. Denn eine „Geschichte“ zu haben ist das eine, sie aber so umzusetzen, dass der Leser gefesselt bleibt, ist ein Handwerk, für das man viel Erfahrung braucht.

In den 39 Büchern, an denen ich bisher mitwirken durfte, geht es unter anderem um Themen wie Narzissmus, seelische Gewalt, Angststörungen, Tablettensucht, bi-kulturelle Beziehungen und Alkoholprobleme. Hierbei ist neben Talent zum Bücherschreiben Empathie eine wichtige Voraussetzung, die Fähigkeit, sich in einen anderen Menschen hineinzuversetzen. Auch fällt es vielen „Autoren“ schwer, über ihr Erlebtes zu sprechen.

Ist das Manuskript nach zahlreichen Interviews und mehreren Überarbeitungen fertiggestellt, erstelle ich ein Exposé und unterstütze die Verlagssuche. Ich schreibe das mit einem Augenzwinkern, denn das ist eigentlich der schwierigste Teil. Gute Kontakte und sehr viel Geduld sind hierbei von Vorteil.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Vormittags beantworte ich E-Mails, schreibe Angebote, fasse bei Verlagen oder Agenten nach, denen bereits ein Exposé für ein bestimmtes Buchprojekt vorliegt, tippe Aufzeichnungen von Interviews ab, die ich mit „Autoren“ geführt habe, kümmere mich um die Pressearbeit von veröffentlichten Büchern, recherchiere für gerade angelaufene Projekte und telefoniere mit Kunden oder freien Mitarbeitern.

Da ich in der Regel an zwei bis drei Manuskripten versetzt arbeite, folgt am Nachmittag die Zeit der Stille und Kreativität. Ich erstelle dann einen Entwurf für ein gerade angelaufenes Projekt, überarbeite eine erste Buchfassung ober feile an einem Werk, das sich in der Endphase befindet.

Manchmal stehen Reisen an: entweder zu einem ersten, unverbindlichen Treffen, für Interviews, um die Basisthemen eines Buches zu erfassen, oder für eine Schlussbesprechung. Meistens jedoch erfolgen die Interviews und Besprechungen telefonisch oder per Skype, was den Vorteil einer individuellen Zeiteinteilung hat.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Als ich mich vor zwölf Jahren als Ghostwriterin selbstständig machte, musste ich meine Dienste noch in überregionalen Printmedien anbieten. Heute bekomme ich fast alle Anfragen über meinen eigenen Web-Auftritt. Auch bei Recherche und Kommunikation hilft mir das Internet. Für mich als Freiberuflerin bedeutet die zunehmende Digitalisierung eine enorme Arbeitserleichterung!

Unverändert dagegen ist die Leidenschaft für meinen Beruf! Einfühlungsvermögen hilft mir, den „Autor“ oder die „Autorin“ wirklich zu verstehen. Disziplin ebnet den Weg für beruflichen Erfolg. Und Dankbarkeit schwingt immer dann mit, wenn ich als „stiller Geist“ an einem bewegenden Thema mitarbeiten durfte.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ganz klar: Die vielen Monate, die oft vergehen, bis einer der namhaften Verlage (oder Literaturagenten) sich auf das Exposé hin meldet, selbst dann, wenn mit dem zuständigen Lektor vorab über das Manuskript gesprochen wurde. Ein Exposé bringt die Dinge ja schon auf den Punkt, einschließlich Marktanalyse. Eine Zeitspanne von vier bis sechs Monaten ist mir völlig unverständlich.

Darüber hinaus nehmen zahlreiche Verlage keine neuen Autoren mehr an, und Literaturagenten betreuen ein Buch nur dann, wenn es eine sehr hohe Auflage verspricht. Daher freue ich mich umsomehr über das Engagement kleinerer Verlage, die sich trauen, mit einer geringen Auflage zu starten, und dadurch so manch schriftstellerischem Juwel aus der Schublade helfen.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Menschen, die ihre Lebensgeschichte oder ihr Buch so geschrieben haben möchten, dass der Leser gefesselt bleibt: authentisch, einfühlsam und spannend.

Wo finden wir Sie im Internet?

Meine Homepage: www.ghostwriterin.com

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Foto: Bettina Schneider-Grimm, Fulda

Tilman Winterling: Sichtbarkeit ist ohne Partizipation nicht zu erreichen

21. August 2014

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Tilman WinterlingWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Tilman Winterling und hauptberuflich bin ich Jurist im Referendariat. Obwohl das juristische Arbeiten bereits stark lektürelastig ist, habe ich mir auch in meiner Freizeit die Passion fürs Lesen erhalten. Seit Ende 2012 schreibe ich zu den besonders erwähnenswerten gelesenen Büchern Rezensionen auf meinem Blog 54books. Die Besprechungen behandeln vornehmlich Klassiker und anspruchsvolle moderne Literatur, aber auch kleinere Debattenbeiträge zur Zukunft des Buchs, digitalen Versionen von Zeitungen oder darüber wie Literaturbloggern vom klassischen Feuilleton wahrgenommen werden.

Dazu gibt es jeden Sonntag ausgewählte Gedichte oder Balladen in der Kategorie „Sonntags: Lyrik!“. Seit kurzem läuft meine neue Interviewreihe „Wie liest Du?“, in der Kritiker, Autoren und Verlagsmitarbeiter, Blogger, Vielleser und Buchhändler ihre Art des Lesens vorstellen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Der typische Arbeitsalltag ist von der Rechtspflege geprägt, im Moment am Landgericht in Stade. Dies ist vornehmlich Arbeit an Akten, aber auch das Hospitieren in Verhandlungen und die Ausbildung in Arbeitsgemeinschaften. Dies kommt über Umwege aber auch meiner Arbeit als Blogger entgegen. Das Pendeln von Hamburg nach Stade bedeutet ausreichend Zeit im Zug für Lektüre und so können an Reisetagen fast anderthalb Stunden netto Lesezeit zusammenkommen. Meist notiere ich schon während der Lektüre einzelne Stellen oder Gedanken, die ich später für die Rezensionen verwenden möchte. Die Zeiten im Zug lassen sich auch hervorragend für die Pflege von Kontakten in den sozialen Medien nutzen. Die Abendstunden gehören dann meist allein Lektüre und schriftlicher Verarbeitung.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Zu Beginn habe ich nur meine Besprechungen geschrieben und online gestellt. Doch bereits nach kurzer Zeit habe ich bemerkt, dass eine Sichtbarkeit ohne Partizipation nicht zu erreichen ist. Also habe ich begonnen mich mit anderen Blogs zu vernetzen und zu twittern. Nach längerem Überlegen habe ich auch eine Facebook Seite eingerichtet, die jedoch nochmal anders als ein Blog gepflegt werden will. Besonders der Austausch mit Bloggern, Treffen auf Buchmessen oder auch bei #PubnPub in Hamburg ist mit der Zeit sehr viel intensiver geworden und bringt viele Synergien, aber auch neue Freunde.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Es gibt zwei Problemkreise, die mich umtreiben und meine Arbeit berühren. Erstens die Frage nach der Zielgruppe für Klassikerbesprechungen. Denn auch wenn es viele Buch- und Literaturblogs gibt, beschäftigen sich diese zumeist primär mit Unterhaltungsliteratur. Meine Zielgruppe ist zumeist noch auf das klassische Feuilleton fokussiert und nimmt Besprechungen im Internet nicht wahr und/oder ernst. Dies berührt den zweiten Problemkreis, nämlich dem streckenweise schlechten Ruf von Bloggern dahingehend, dass diese nur Schreiben, um kostenlos an Bücher zu gelangen und sich dadurch ihre Meinung diktieren lassen oder generell schlechte Arbeit leisten. Doch gerade im Bereich von moderner und auch anspruchsvollerer Literatur gibt es Blogs, auf denen herausragende, unabhängige Arbeit geleistet wird. Warum diese stellenweise nur innerhalb der Blogospähre wahrgenommen und gewürdigt wird, man stattdessen eher bei Amazon anonymen Rezensenten glaubt, als solchen, die mit ihrer Person und nachvollziehbaren Leseerfahrung für ihre Meinung eintreten, bleibt mir schleierhaft.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Ich freue mich immer wieder sehr über den offenen Kontakt, den ich mit Verlagen führe. In diesen hat man seit Längerem das Werbepotenzial von Bloggern entdeckt. Dass man mir dagegen für ein Rezensionsexemplar eine positive Besprechung in die Feder diktiert hätte, ist mir dagegen noch nie passiert. Im Gegenteil selbst bei Verrissen reagieren die meisten freundlich und bedanken sich für die ehrliche Meinung. Ich freue mich auch immer über andere Blogger mit ähnlichem Literaturfokus. Darüber hinaus suche ich momentan Leute aus der Branche für meine Interviewreihe „Wie liest Du“. Selbstverständlich sind alle neuen Leser und andere Interessierte jederzeit gern gesehen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Man findet den Blog unter www.54books.de Aber auch auf Twitter und Facebook. Für persönlichen Kontakt stehe ich gerne unter post@54books.de zur Verfügung.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Tilman Winterling

Kathrin Bolte: Mütter können auch von zu Hause aus arbeiten und dabei Karriere machen

18. August 2014

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Kathrin Bolte

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Kathrin Bolte aus Peine in Niedersachsen und betreibe das Blog BOLTEbloggt.de – hier geht es in erster Linie um Bücher, aber auch um das was in der Buchbranche los ist und was in meinem Leben so aufregendes oder weniger aufregendes geschieht.

Das Blog war der erste Schritt sagen zu können: „Ich mach jetzt auch was mit Büchern“. Dadurch wurde nämlich unsere Tageszeitung auf mich aufmerksam und ich wurde freier Mitarbeiter und das wiederum brachte mich mit der Bestsellerautorin Kathrin Lange aus Hildesheim zusammen. Sie stellte weitere Kontakte her, sodass ich heute Pressesprecherin und Marketingfrau der Verlage Dryas, Goldfinch und der Edition Reiseratte bin. Zudem mache ich das Marketing für die Romanmentoren, für diverse Autoren, schreibe gerade selbst ein Buch (könnten auch zwei werden) und ich veranstalte die literaTOUR-peine.de – eine Reihe von Autorenlesungen der besonderen Art.

Wenn ich dann mal nicht am PC sitze, streife ich durch die Buchhandlungen dieser Welt, begeistere mich für die NASCAR Sprint Cups (Daytona 500 – i love it), sitze hin und wieder im Fußballstadion (Hannover 96 natürlich) oder führe stundenlange Diskussionen mit meiner elfjährigen Tochter über den Sinn der Schule, des Zähneputzens oder des Lebens im Besonderen und Allgemeinen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Einen typischen Arbeitstag gibt es bei mir nicht. Aufgrund der vielseitigen Tätigkeiten weiß ich oftmals erst am Morgen beim Lesen der Mails, wohin mich mein Tag führen wird. Aufgestanden wird um 6 Uhr. Halbe Stunde Yoga machen, um von dem herunterzukommen, was mich noch gar nicht raufgebracht hat. Kaffee trinken, 148 Mail checken, Welt retten – ganz im Sinne von Tim Benzko.

Meist sitze ich bis zum späten Nachmittag am Schreibtisch oder verlege mein Office in den Garten, da ich den Luxus genieße von Zuhause arbeiten zu dürfen. Den Montag habe ich mir seit kurzem als reinen Schreibtag ausgeschaut. An diesem schreibe ich Rezensionen, meine eigenen Ideen auf oder ich setze mich zum xten Mal an mein Buch.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Was als absoluter Spaß an der Freud begann, wurde ernst und ich kann damit SEHR gut leben. Meinen Tag hat die Arbeit mit Büchern bereichert. Da ich nun einen echten Blick hinter die Kulissen werfen darf, ist jeder Arbeitstag absolut spannend. Die Arbeit zeigt mir alle Schritte der Entstehung von richtig guten Büchern. Bei den Romanmentoren lerne ich gemeinsam mit den Seminarteilnehmern wie aus einer Idee ein Buch entsteht. Beim Verlag lerne ich wie ein Buch in eine druckbare Form gebracht wird, wie es gedruckt und schlussendlich vermarktet wird. Wenn es dann den Lesern auch noch gefällt, dann ist das wie einen Oscar für seine Arbeit bekommen. An dem Spruch „Man lernt nie aus“ ist wahrlich was dran und das hält den Geist fit.

Verändert hat sich mein Alltag insofern, dass ich endlich einen Job habe, der mich wachsen lässt und der unheimlich viel Spaß macht. Er macht mich glücklich, ausgeglichen und zufrieden und das färbt auch auf die Familie ab. Das kann nicht jeder von sich behaupten.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Mein Problem war immer die Zeit. Seit Jahren bin ich selbständig – also selbst und ständig. Als Alleinerziehende einer Elfjährigen ein Drahtseilakt. Familie und Karriere. Das alte Thema. Meine jetzige Arbeit, bei freier Zeiteinteilung – und trotzdem bin ich für meine Kunden immer greifbar – lässt mir viel Raum mich dann um mein Kind zu kümmern, wenn es mich wirklich braucht. Es gibt bei uns beispielsweise jeden Tag ein frisch zubereitetes Mittagessen. Parallel dazu ein nettes Gespräch über Schule und Probleme, danach eine Kuschelrunde und dann geht jeder an seinen Schreibtisch. Jeden Freitag gehen meine Tochter und ich irgendwo zum Lunch.

Der feste Glaube daran, dass sich die Zeiten ändern, Mütter auch von zu Hause aus arbeiten und dabei Karriere machen können, hat mir geholfen durchzuhalten. Das Ergebnis habe ich in der dritten Frage beschrieben.

Es sollte mehr Unternehmen geben, die das ermöglichen. Ich bin sicher, dass ich mit meiner freien Zeiteinteilung und meinem entspannten Arbeiten effektiver für die Unternehmen bin, für die ich arbeite, als wenn ich jeden Tag einen nine-to-five-Job machen müsste. Die technischen Voraussetzungen sind da. Nur in den Köpfen fehlt noch ein Mausklick.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Tolle Frage: jeder darf mich kontaktieren! Autoren sind herzlich willkommen. Gern übernehme ich das Marketing für sie oder gebe in einer kleinen, individuellen Schulung mein Wissen zu Marketing, Social Media Marketing und Werbung für Bücher weiter.

Immer wieder gerne nehme ich aber auch Kontakt zu Lesern auf. Buchverliebte sind bei mir genau richtig. Ich liebe es mich auszutauschen (ist wohl so´n Frauending).

Vernetzen ist das Stichwort in der Welt des Web 2.0 und ich persönlich konnte dadurch sehr viele Erfolge verzeichnen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Hauptsächlich liest man über mich oder besser von mir auf www.BOLTEbloggt.de. Die Domain www.kathrin-bolte.de ist auch gefüllt mit ganz vielen Infos über meine Arbeit. Dann findet man mich noch unter www.literaTOUR-peine.de – das sind die Autorenlesungen der besonderen Art. Derzeit noch im Aufbau befindet sich www.PEINEbloggt.de doch das soll im Herbst 2014 ebenfalls mit Leben gefüllt werden. Ich habe eine Fanpage auf Facebook und wer bei Google „Kathrin Bolte“ eingibt, der erfährt auch den Rest von mir.

Danke, das hat echt Spaß gemacht! Bin dann mal lesen :-)

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Kathrin Bolte

Dr. Tobias Witte: Leider wissen noch viel zu wenige Personen das Medium Comic zu schätzen

11. August 2014

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Dr. Tobias Witte

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Dr. Tobias Witte und ich betreibe den Literaturblog www.texteundbilder.com. Begonnen habe ich damit Ende 2012. Auf dem Blog bespreche ich Themen aus meinen literarischen Leidenschaften: d.h. aus klassischer und graphischer Literatur. Mir geht es um Prosa genauso wie um Comics oder so genannte Graphic Novels. Texte und Bilder, wie der Name schon sagt, sind zwei Welten, die mich faszinieren. Das Beste aus beiden Welten auszuloten, ist Ziel meiner Arbeit.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Arbeitstag klingt nach sehr viel. Der Blog ist ein Hobby, für das ich leider noch viel zu wenig Zeit aufbringe. Zumeist setze ich mich sonntagsmorgens hin und klappere die Ideen für eine Rezension ab, die mir in der vergangenen Woche gekommen sind. Das Schreiben von Rezensionen steht also im Mittelpunkt meiner Blogarbeit.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Früher habe ich mich stärker um das Kernthema von www.texteundbilder.com gekümmert, also um Rezensionen von sprachlichen und grafischen Adaptionen desselben literarischen Stoffes. Dieses Kernthema habe ich in der letzten Zeit vernachlässigt und stattdessen auch andere Projekte angeschoben: So habe ich mich durch Joyces “Ulysses” gekämpft und andere dazu animiert oder, gemeinsam mit www.buchguerilla.de, eine Leserunde zu “Literatur und Recht” gestartet. Nun möchte ich mich wieder stärker auf die Verbindung von Prosa und Comic konzentrieren.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Das Problem ist, dass leider noch viel zu wenige Personen das Medium Comic zu schätzen wissen. Es gibt eine Art unsichtbare Grenze zwischen dem klassischen Buch und dem Comic, und das finde ich unglaublich schade. Comics, oder neudeutsch so genannte Graphic Novels, bergen ein fantastisches Potenzial für den Künstler, Geschichten zu erzählen. Mein Anliegen ist es, dazu beizutragen, dass sich vermehrt auch Personen, die sich eher im klassischen Feuilleton zu Hause fühlen und Berührungsängste gegenüber Comics haben, für dieses Medium interessieren.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Hilfreich für mich sind alle Arten von Kontakten, die das gleiche Anliegen haben: Also Personen aller Art, die die Medien Buch und Comic stärker vernetzen wollen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Man findet meinen Blog unter www.texteundbilder.com. Bei Twitter bin ich unter @thw85 unterwegs.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Dr. Tobias Witte

Ulrike Plessow: Ich bin PR-Beraterin und Mitinhaberin der Agentur BUCH CONTACT

11. August 2014

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Ulrike PlessowWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Ulrike Plessow, ich bin PR-Beraterin und Mitinhaberin der Agentur BUCH CONTACT mit Sitz in Berlin und Freiburg, die seit 20 Jahren auf Buch-PR spezialisiert ist. Wir BUCH CONTACTerinnen (das sind außer mir noch meine Geschäftspartnerin Murielle Rousseau, die das Freiburger Büro leitet, und 15 fest angestellte Mitarbeiterinnen) kümmern uns darum, dass der Bekanntheitsgrad von Büchern, Autoren, Verlagen, aber auch Buchmessen, Museumsausstellungen und ähnliches erhöht wird durch Medien- und Öffentlichkeitsarbeit. Dafür arbeiten wir eng mit Meinungsbildnern, Veranstaltern und generell mit Menschen des öffentlichen Lebens zusammen. Für mich persönlich war spätestens nach meinem Studentenjob bei Andersen Press in London klar, dass ich nach meinem M.A. richtig in die Verlagsbranche einsteige. Damals noch mit dem konkreten Ziel, wieder etwas mit Kinderbuch und am liebsten englischsprachig zu machen. Dass es mal so bunt und vielseitig werden könnte wie mit einer Agentur wie BUCH CONTACT, das konnte ich damals noch nicht ahnen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Meine Arbeit ist in der Planungsphase sehr konzeptionell, in der Ausführung unserer PR-Kampagnen dann sehr kommunikativ und organisatorisch. In der Regel arbeite ich von meinem neuen Berliner Büro in der Einemstraße am Lützowplatz, in das wir Ende Juli gezogen sind. Viele Termine finden aber auch auswärts statt, seien es Verlags-Meetings inklusive Vertreter-Konferenzen, Redaktionsbesuche, Treffen mit Journalisten oder anderen Kooperationspartnern, Autorenbesprechungen…

Mit Einstieg der Buchbranche war ich auch immer aktiv in diversen Netzwerken. Aktuell beschäftigt mich immer noch die Arbeit für den Arbeitskreis Verlagspressesprecher. Ende der 90er hatte ich bereits eine südwestdeutsche Regionalgruppe gegründet, die inzwischen auch die Schweiz mit einbezieht. Und in diesem Januar haben wir in Berlin die AVP-Jahreskonferenz abgehalten, organisiert von der Berliner Regionalgruppe, die ich seit einigen Jahren leite. Für unsere Regionalveranstaltungen bin ich ständig auf der Suche nach Referenten, die uns Kolleginnen für unsere jeweiligen Jobs inspirieren. Also auch hierfür: viel kommunizieren und organisieren.

Da wir in den 20 Jahren stark gewachsen sind, hat die interne Kommunikation sehr an Bedeutung gewonnen. Das heißt: viele Briefing-Gespräche und Teamsitzungen mit den Mitarbeiterinnen, von denen einige auch für meine Teamseite von unserem Freiburger Büro aus arbeiten. Moderne Kommunikationsmittel helfen hierbei zwar, aber gerade für den Beziehungsaufbau in Richtung Journalisten legen wir immer noch sehr großen Wert auf persönliche Kontakte. Das erleichtert vieles und macht auch einfach Spaß.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Hier müsste ich unterscheiden zwischen meiner persönlichen Arbeit und den Arbeitsvorgängen unserer Agentur. Als Inhaberin und Geschäftsführerin hat sich mit dem Wachsen des Unternehmens natürlich auch mein Tätigkeitsprofil verändert. Zu meinem Leidwesen nimmt der Anteil an Verwaltungsaufgaben, Controlling, Management, Liquiditätsplanung u.ä. immer mehr Raum ein. Als Literaturwissenschaftlerin von Hause aus habe ich mir das Wissen für alle Finanzaspekte mühsam angeeignet, was aber noch lange nicht heißt, dass ich darin nun die Erfüllung finde. Deswegen lege ich sehr großen Wert darauf, dass ich in attraktiven Projekten immer noch selbst auch in der Ausführung mitmische. Wofür sonst habe ich mich der Literatur und den Büchern verschrieben? Auffällig ist auch, dass mit wachsendem Erfahrungshorizont der Bereich der Beratungstätigkeit immer mehr Raum einnimmt. Sprich: Wir geben Autoren oder Verlegern Hilfsmittel an die Hand, damit sie ihre PR-Maßnahmen eigenständig durchführen können. Vorträge zu „Verlags-PR“ werden regelmäßig angefragt. Und für die Absolventen der drei Berliner Universitäten leite ich Seminare zum Thema „Verlagsberufe“.

Zur Veränderung des BUCH CONTACT-Profils: Ursprünglich wurden wir eher als Dienstleister für kleine bis mittelständische Verlage gesehen, die durch uns einfach ihre Presseabteilung auslagern konnten. Schnell wurden allerdings auch große Verlage und Konzerne auf uns aufmerksam, die unsere Unterstützung für Einzeltitel oder Reihen erbaten. Diese Arbeit in größeren Strukturen verlangte uns natürlich Flexibilität und Anpassungsvermögen ab. Außerdem mussten auch wir die Modernisierung der Kommunikationswege durch Internet/Social Media mit beschreiten, was allerdings auch wieder neue Welten und Möglichkeiten eröffnete, zum Beispiel das Universum der internationalen PR, das uns aktuell gerade intensiv beschäftigt.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Internationale PR-Kontakte selbst pflegen oder entsprechende Partner im Ausland suchen? Hier sind wir noch in der Findungsphase. Nach Betreuungsstart der Paris Cookbook Fair und seit diesem Jahr auch der Pekinger Kochbuchmesse geht es nun ganz aktuell um ein hochpreisiges Buchprojekt eines neuen Berliner Verlags, das weltweit vertrieben wird. Eine spannende Herausforderung.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Partner und Kollegen, die auch grenz- und sprachübergreifend arbeiten. Immer auch Menschen, die sich mit den großen Entwicklungsbereichen des Self-Publishing, des E-Book-Geschäfts und mit den sensiblen Rechtefragen diesbezüglich beschäftigen. All das spielt auch in unsere PR-Aufgaben mit hinein.

Wo finden wir Sie im Internet?

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Ulrike Plessow

5 Jahre

6. August 2014

“Ich mach was mit Büchern” gibt es jetzt seit 5 Jahren. Wahnsinn. Im August 2009 ging es los mit unserer Initiative zur stärkeren Vernetzung der Buchwelt. – Ich freu mich auf die nächsten 5 Jahre. :)

Vor allem aber ist es mal wieder Zeit, Euch allen DANKE zu sagen!

Viele Grüße
Leander

5 Jahre "Ich mach was mit Büchern"

Sarah Nicolin: Manchmal nenne ich mich die Digitaltante bei uns im Campus Verlag

1. August 2014

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Sarah NicolinWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Manchmal nenne ich mich auch die Digitaltante bei uns im Verlag. Ich bin seit 1 1/2 Jahren beim Campus Verlag in Frankfurt für den Vertrieb und die Entwicklung digitaler Produkte zuständig und kümmere mich in diesem Rahmen sowohl darum, dass unsere E-Books und Audiobooks auf allen wichtigen Kanälen präsent sind, aber auch um Angebote für Bibliotheken und Firmenkunden sowie um die Entwicklung neuer digitaler Angebote. Das reicht von der App zum Buch, einer eigenen E-Book-Reihe bis zur B2B-Plattform. Vor Campus war ich im Mainzer Schott Verlag im Bereich Digitale Medien tätig und hatte Stationen bei der Frankfurter Buchmesse (AuM) und der Internetagentur Seibert/Media.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Meist lese ich bereits morgens im Zug News auf meinem Smartphone. Im Büro angekommen, gilt der erste Blick ins Wiki, um auch intern auf dem Laufenden zu sein. Der Rest des Tages ist in der Regel durch das jeweils aktuelle Entwicklungsprojekt geprägt. Da geht es dann neben der inhaltlichen Abstimmung mit der Fachabteilung, oft um Rechte, Daten und Angebote – eben je nach Projektphase. Für die Projektentwicklung versuche ich mir, in der Regel insbesondere den Nachmittag zu blocken, v.a. um in Ruhe an neuen Konzepten zu arbeiten. Am Vormittag steht die vertriebliche Arbeit (die Abstimmung mit Vertriebs- und Shoppartnern, Prüfung von neuen Vertriebsverträgen, Zusammenstellung von gesonderten Angeboten für Bibliotheken oder E-Book-Aktionen etc) im Vordergrund. Zugegebenermaßen funktioniert die Aufteilung nur die Hälfte der Zeit. Sie ist aber oft meine Richtschnur, wenn ich Termine vereinbare.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Das Entwicklungstempo ist im digitalen Bereich seit jeher hoch und die Informationsdichte sicherlich kaum geringer geworden. Der Austausch mit Kollegen gerade zu neuen Themen ist da sehr wichtig. Die Wege sind hier deutlich kürzer geworden und neben dem Telefon lässt sich mal schnell eine Frage auf FB, über Twitter oder Xing stellen.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Zur Zeit treibt uns die Änderung der Besteuerung von Bundle-Produkten um. Die neuen Vorgaben aus dem Bundesfinanzministerium haben bei allen Branchenteilnehmern für gehörige Bauchschmerzen gesorgt.

Die eigentliche Frage ist für mich aber, wann wir den nächsten Innovationssprung bei unseren E-Books schaffen. Vor einiger Zeit haben wir die Frage in der Branche gestellt “Was ist ein Buch?”, eigentlich sollten wir uns aber besser fragen “Was nutzt dem Leser”. Wenn ich von einem nächsten Innovationssprung spreche, zeigt das auch meine Unzufriedenheit, dass wir in vielen Fällen über eine mehr oder weniger 1:1-Darstellung von Print und E-Book noch nicht weit hinausgekommen sind. Gerade bei Ratgebern und Fachbüchern ist da noch viel Potenzial, um den Nutzwert für den Leser zu erhöhen, ohne einen Medienbruch vollziehen zu müssen. E-Pub 3 kann dabei eine Rolle spielen. Wir sollten dabei aber nicht stehen bleiben. Und es geht nicht darum zum Selbstzweck Videos oder Audios einzubinden.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Ich bin immer offen für einen gerne auch informellen Austausch. Spannend finde ich dabei auch neue Geschäftsmodelle fern der eigenen Branche. Besonders freue ich mich aber zudem über Kontakte, die mir vom Einsatz unserer digitalen Produkte berichten.

Wo finden wir Sie im Internet?

Eigentlich ziemlich langweilig da, wo alle sind: FB, Xing, linkedin, Verlagshomepage, Twitter

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Sarah Nicolin