Die Initiative von Leander Wattig für eine stärkere Vernetzung der Buchbranche. Seit 2009.

Kai Mühleck: Ich bin Redakteur beim Börsenblatt – Magazin für den Buchhandel

15. Juli 2014

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Kai Mühleck

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Kai Mühleck, Jahrgang, 1984 und Redakteur beim Börsenblatt – Magazin für den Buchhandel. Mein Job ist es, Neuigkeiten aus Buchbranche zu journalistischen Texten oder zu Webvideos für das Börsenblatt oder unser Newsportal boersenblatt.net zu verarbeiten. Dabei komme ich eigentlich mehr mit Menschen aus Verlagen und dem Buchhandel in Kontakt – aber immer wieder auch mit Büchern. Zum Beispiel für unsere Bestsellerliste (mit Fokus und GfK Entertainment), die wir jede Woche betexten, für Rezensionen zu wechselnden Themen (aktuell: Ethik und Wirtschaft) und Buchtipps am Sonntag. Privat baue ich in meinem Schlafzimmer Türme aus Buchstapeln, weil die Regale von einer kritischen Masse Büchern überfüllt sind. Ich würde gerne mehr E-Books lesen, aber hartes DRM ist in meinen Augen eine echte Zumutung und E-Books sind in meinen Augen zu teuer, weil ich keine Dateien besitze, sondern nur Lizenzen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich gehöre zu der Truppe, die den Laden aufschließt. Außentermine sind eher die heiß geliebte Ausnahme und nicht die Regel. Die meiste Zeit verbringe ich am Rechner und checke E-Mails, währenddessen klicke ich zwischen 15 Tabs hin und her, die mein Firefox mehrfach täglich in die Knie zwingen. Ich suche nach den wichtigsten Neuigkeiten aus der Buchbranche oder setze Themen selbst – im geschwindigkeitsgetriebenen Onlinenachrichtenmarkt ist Tempo leider Gottes aber manchmal wichtiger als eine ausgedehnte Recherche, zum Glück gibt es viele Ausnahmen. Ich bewege mich den ganzen Tag zwischen Printwelt und Digitalien hin und her, bin ein typisches Zwitterwesen dieses prosperierenden Grenzlandes. Ich kümmere mich um unser Kreuzworträtsel und suche Kandidaten für unseren beliebten Fragebogen (!), telefoniere mit Buchhändlern, verarbeite Personalmeldungen, klemme eigentlich ständig am Telefon, lese mir die neuesten Kommentare auf boersenblatt.net durch – und freue mich, dass sie Trolle Ausnahme sind (auch wenn es sich an Tagen mit besonders hoher Trolldichte manchmal anders anfühlt), hänge mich an einen größeren Artikel für das nächste Heft und überlege mir, was ich für unser E-Paper an Multimedia-Inhalten anbieten und produzieren kann.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Angefangen habe ich beim Börsenblatt vor drei Jahren als Volontär. Inzwischen bin ich Redakteur. Ich kann sagen: Es liegt immer mehr auf meinem (zu kleinen) Schreibtisch. Meine Arbeit ist durch unser E-Paper, durch Social Media und den von mir betreuten Youtube-Kanal immer digitaler geworden – das gefällt mir, weil es immer mehr journalistische Möglichkeiten gibt und ich kreativ werden kann. Es ist aber auch stressiger geworden, weil ich so viel auf einmal machen muss.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

In diesem Jahr haben wir einen Nachwuchspreis für die Buchbranche ins Leben gerufen, gemeinsam mit dem Börsenverein und der Frankfurter Buchmesse. Der Preis heißt „Young Excellence Award“, ist gut dotiert und mit verdammt guten Juroren besetzt (darunter Hanser-Verleger Jo Lendle, den ich für seine Briefe an seinen Internetprovider vergöttere). Wirklich cool ist, dass man auch andere nominieren kann – zum Beispiel könnte jemand, sagen wir mal Leander Wattig, Torsten Woywood (Mayersche) oder Maxi Musterfrau vorschlagen. Viele trauen sich nach meiner Beobachtung aber erst nach einer persönlichen Ermunterung, Vorschläge zu machen, wohl aus Bescheidenheit. Das ist schade, weil der Pool an Bewerbern viel größer sein könnte und viele tolle Leute fehlen, vor allem aus dem Buchhandel oder von den Jungen Verlagsmenschen etc. Vielleicht schreckt auch der englische Titel ab, keine Ahnung. Ich hoffe, dass sich einige noch bis zum Bewerbungsschluss am 31. Juli 2014 einen Ruck geben – gesucht sind junge Macher, die etwas reißen, die etwas gut machen. Wir suchen keinen Steve Jobs.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Kontaktieren sollte mich jeder, der fragen zum Young Excellence Award hat oder eine wichtige Meldung ins Börsenblatt unterbringen will oder gute Tipps für Kollegen bereit hält (spannende Buchhändleraktionen, Verlagsevents usw.)

Wo finden wir Sie im Internet?

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Kai Mühleck

Martin Schmitz-Kuhl: Ich bin Mitgesellschafter der Agentur Schwarzburg aus Frankfurt

1. Juli 2014

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Martin Schmitz-KuhlWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Mitgesellschafter der kleinen, aber feinen Agentur Schwarzburg aus Frankfurt. Wir haben uns bei unserer Gründung den Slogan „Für bessere Medien“ gegeben. Das war natürlich etwas großspurig, aber durchaus ernst gemeint – denn schlechte und lieblose Medien gibt es genug. Seit einiger Zeit fokussieren wir uns auf die Buchbranche – zu unseren Kunden gehören zum Beispiel die Deutsche Nationalbibliothek oder auch der Campus-Verlag. Last but not least bin ich auch selbst (Kinderbuch-)Autor. So habe ich mit meiner Frau, der Illustratorin Anke Kuhl das Bilderbuch „Alle Kinder. Ein ABC der Schadenfreude“ (Klett Kinderbuch) gemacht und zurzeit probiere ich die neue Plattform Oetinger34 aus.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Das kommt darauf an, ob ich Kundenprojekte umsetze oder ob ich eigene Projekte mache. Für letztere nehmen wir uns nämlich immer wieder die Zeit, selbst wenn sie erst einmal nichts „einbringen“. Zwei Projekte will ich hier kurz nennen. Erstens: Das neue Online-Magazin www.bookster-frankfurt.de. Dort stellen wir wöchentlich einen Frankfurter Buchmenschen vor. Denn die Buchstadt Frankfurt lebt! Zweitens: Das Buch „Bookster. Gespräche über die Zukunft des Buches“ (Arbeitstitel). Es soll zur Leipziger Buchmesse 2015 erscheinen.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Als Journalist und Magazinentwickler war ich eigentlich immer ein überzeugter „Printler“. Und nach wie vor geht mir nichts über ein gut gemachtes (Print-)Magazin. Aber die Zeit bleibt nicht stehen, und wenn man sich darauf einlässt, kann man den Vorzügen digitaler Medien natürlich auch etwas abgewinnen. Das oben genannte Online-Magazin ist der Versuch, unsere inhaltlichen und ästhetischen Ansprüche auf ein Digitalmedium zu übertragen.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Wie verändern Digitalisierung und Vernetzung die Magazine und die Magazinbranche? Das ist eine Frage, mit der wir uns seit Jahren – als „Betroffene“ – beschäftigen. Wie verändern Digitalisierung und Vernetzung die Bücher und die Buchbranche? Das ist eine Frage, mit der ich mich seit einiger Zeit journalistisch beschäftige. Hiezu führe ich gerade zahlreiche Gespräche mit diversen interessanten Menschen und Branchenkennern. Heraus kommen soll ein Buch, das nicht nur die Zukunft des Buches beschreibt, sondern sie auch an sich selbst demonstriert. Denn eines kann man sicher sagen: Das Buch wird weiter existieren, allerdings in einer Vielzahl von Erscheinungsformen, nicht nur zwischen zwei Buchdeckeln. Und genau so soll auch mein Buch erscheinen: Es wird ein E-Book geben, genauso wie ein BoD-Taschenbuch. Darüber hinaus soll man aber in einer Online-Version auch gezielt nur einzelne Artikel kaufen können. Social Reading wird eine Rolle spielen. Neue Plattformen wie Flipintu. Und es ist natürlich eine schön gestaltete Premium-Print-Ausgabe geplant.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Wir suchen für unsere Seite www.bookster-frankfurt.de ständig interessante Menschen aus der Buchbranche, die wir vorstellen können. Sie müssen allerdings aus Frankfurt und Umgebung kommen. Und für mein Buchprojekt suche ich noch interessante Gesprächspartner, die etwas zum Thema „Zukunft des Buches und der Buchbranche“ zu sagen haben. Da man sich für beides eher nicht selbst vorschlägt, freue ich mich über Vorschläge Dritter.

Wo finden wir Sie im Internet?

Unsere Agentur findet man unter www.agentur-schwarzburg.de. Und mich findet man bei Facebook und XING. Oder per Mail an schmitz-kuhl@agentur-schwarzburg.de

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Martin Schmitz-Kuhl

Janice Jakait: Ich bin Reisende, Abenteurerin, Autorin

30. Juni 2014

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Janice JakaitWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Janice Jakait, Reisende, Abenteurerin, Autorin. Nach der Überquerung des Atlantischen Ozeans in einem Ruderboot veröffentlichte ich mein erstes Buch „Tosende Stille“, das die Geschichte eines 90 Tage währenden Kampfes mit den Elementen und den eigenen Ansprüchen beschreibt. Getrieben von dem Wunsch „anzukommen“ – wieder an Land und endlich einmal in mir selbst. Das Schreiben war ein ganz eigenes Abenteuer, das Resultat und vor allem das Feedback machen mir nun so viel Freude, dass ich bereits an einem zweiten Buch arbeite. Und darüber hinaus plane ich bereits das nächste Abenteuer auf dem Meer. Einen inspirierenderen Ort zum Schreiben vermag ich mir einfach nicht vorzustellen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Den typischen Arbeitstag gibt es bei mir nicht. Ich stehe auf, wenn ich wach bin – schreibe, wenn ich etwas zu schreiben habe und mich kreativ fühle. Im Zwang, kreativ sein zu müssen, möchte ich nicht arbeiten. Kreativität entsteht nicht im Müssen oder Wollen, sondern im Dürfen und Sein. Wenn ich Schreibblockaden habe, dann weiß ich, dass das, was ich meine schreiben zu müssen, nicht das ist, was ich wirklich schreiben will. Dann lasse ich es los, gehe wandern, meditieren, ins Café und BIN – ohne etwas anderes sein zu wollen. Dann schaue ich, was noch bei mir im Moment geblieben, was wirklich von Bedeutung ist und wirklich aufs Papier will. Dann lasse ich es fließen … aber kann man das dann „Arbeit“ nennen?

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Vor meiner Reise über den Ozean war ich ein Kontrollfreak – daran scheiterte jedes Buch, das ich schreiben wollte. Ich verlor mich so darin, jedes Detail des Inhaltes zu planen und zurechtzufeilen, dass im engen Rahmen dieses starren Korsetts kein Platz mehr blieb, um den Geist von Lust und Hingabe – von kreative Freiheit! – atmen zu können. Dem hohen Anspruch, perfekt sein zu müssen, wurde ich letztlich doch nie gerecht, da der Anspruch im Schreiben selbst durch die wachsenden Erfahrung nur immer größer wurde. Am Ende scheiterte ich immer – musste scheitern. Heute schreibe ich Bücher nicht mehr für mich, sondern für die Leser. Es sind ihre Ansprüche, die ich gern erfüllen möchte: gut unterhalten und inspiriert zu sein. Das hört sich profund an, aber die Dankbarkeit, im Schreiben anderen Menschen etwas geben zu dürfen, befreit vom unersättlichen Drang, soviel wie möglich für sich selbst aus einem verfassten Text ziehen zu müssen: Erfolg, Stolz, Anerkennung, Lobpreisung und „Gewinn“. Ich würde sagen, ich drehe mich nicht mehr nur noch um mich selbst, sondern versuche meine Leser mit Fantasie und Hingabe einzuspinnen, das hat sich verändert.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Hier muss ich passen. Ich habe keine Probleme mehr bei meiner Arbeit. Probleme sind nichts als Herausforderungen, die der eigene Kopf so umdeutet, dass er sich in ihnen möglichst lange aufreiben und intensiv austoben kann. Der Kopf will Kopf sein, nichts anderes – auch wenn er Glück und Zufriedenheit in Aussicht stellt, wo seine selbst erschaffenen Probleme nur gelöst würden. Der Kopf will Kopf sein, und ist es am meisten, wenn wir leiden. Ich will nicht mehr leiden. Nach 36 Jahren habe ich begriffen, dass sich am Ende eines Problems ganz sicher nur ein neues finden wird. Auswege aus einem Problem sind nur Umwege in andere Probleme. Glück und Zufriedenheit empfinde ich heute als etwas anderes, nämlich als Befreiung aus diesem Kreislauf, der nie aus dem Kopf heraus in die Freiheit und Leidenschaft führt. Also, Herausforderungen: ja! Je größer sie sind, umso mehr darf ich daran wachsen. Probleme: Nein! Unter ihrer Last wächst man nicht, sondern bricht nur zusammen.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Ich freue mich im Moment sehr über die wunderbaren Rückmeldungen meiner Leser. Das ist so intensiv und inspirierend! Der Austausch allein ist Ansporn genug weiter zu schreiben. In diesem Sinne: Ich freue mich über jeden Kontakt, der beflügelt. Menschen, die ihr Herz öffnen, ehrlich und authentisch sind, „helfen“ mir dabei, in ihrem Spiegelbild genauso offen und authentisch sein zu dürfen. Für mich ist das eine doch recht neue Erfahrung … und ich möchte sie gern intensivieren. :-)

Wo finden wir Sie im Internet?

www.rowforsilence.com

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Janice Jakait

Anna Karina Birkenstock: Ich bin Kinderbuchautorin und Illustratorin sowie Verlegerin beim Tilda Marleen Verlag

12. Juni 2014

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Anna Karina BirkenstockWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Anna Karina Birkenstock, Kinderbuchautorin und Illustratorin sowie Verlegerin beim Tilda Marleen Verlag für digitale Kinderbücher.

Nach dem Abitur habe ich erst eine Ausbildung zur Mediengestalterin für Bild und Ton gemacht im Bereich TV Design. Danach habe ich Medienkunst an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe studiert. Seit 2003 bin ich als freie Kinderbuchautorin und –illustratorin für mehrere deutsche Verlage tätig und habe bisher über 60 Bücher illustriert.

2011 habe ich mit meinem Mann Caspar Armster den Tilda Marleen Verlag gegründet. Als ich anfing, mich mit dem E-Book zu beschäftigen, machte mein ganzer Werdegang, der mir vorher wie eine Reihe von Umwegen vorkam, plötzlich Sinn. Da das E-Book eben mehr ist als ein Buch auf einem Tablet. Hier kann nun meine Erfahrung aus meinen drei Arbeitsbereichen – Screen-Design, Medienkunst und Illustration – endlich zusammenfließen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Wenn ich an eigenen Projekten arbeite, bringt mich so schnell nichts von der Staffelei weg. Ich liebe es, noch ganz traditionell in Acryl zu arbeiten.

Für mich als berufstätige Mutter besteht der Tag oft aus Überraschungen und Unterbrechungen.

Ich versuche mir die Zeit zwischen eigenen Projekten, dem Verlag und der Familie gut einzuteilen. Meine Kinder sollen nachmittags nicht zu kurz kommen. Oft verlagert sich daher der restliche Arbeitstag bis tief in die Nacht.

Gerade für unseren Verlag ist es auch wichtig unterwegs zu sein, Netzwerken auf Messen, bei Fachveranstaltungen, bei Illustratoren- und Autorentreffen.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Als Illustratorin und Autorin war ich bisher nur „Lieferant“ und auf meine eigene Arbeit und meine Arbeitgeber reduziert. Als Verlegerin sehe ich nun überall neue Ideen und kann daran mitwirken, die Vielfalt deutscher Illustrationskunst in die Öffentlichkeit zu bringen. Wir sehen uns nicht als traditionelle Verleger, sondern als Teil eines kreativen Netzwerkes. Aus dem, was jeder Kreative einbringt, kann etwas Größeres und Schöneres als die Summe aller Teile entstehen.

Netzwerke bieten guten Nährboden für unabhängige und außergewöhnliche Ideen. Die digitale Technik macht dabei vieles möglich, so kann ich einem Sprecher in Berlin via Skype Regieranweisungen geben und mit einer Autorin in LA gemeinsam ein Buch realisieren. Mir gefällt am Netzwerk, dass gleichwertige Partner als Team agieren.

Als Autorin habe ich in den letzten Jahren auch angefangen, mehr Lesungen und Workshops zu halten. Die Arbeit mit Kindern ist eine große Inspirationsquelle für mich. Es ist mir wichtig, die jungen Leser als Autorin, Illustratorin und auch als Verlegerin im Blick zu haben, sie ernst zu nehmen und auf Augenhöhe zu begegnen. Die Workshops zeigen mir, was diese Kinder bewegt, wie sie Geschichten selber erzählen.

Ich möchte Kinder dazu ermutigen, selber kreativ zu werden, etwas Eigenes zu schaffen und eigene Geschichten zu erzählen, statt nur zu konsumieren.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Die Vorbehalte gegenüber E-Books für Kinder seitens einiger Eltern und Pädagogen sind noch immer groß. Ein Großteil unserer Arbeit besteht aus Lobbyarbeit für das illustrierte E-Book an sich. Da gibt es viele Vorbehalte und Ängste, die oft ganz einfach aus der Unwissenheit über das Medium E-Book resultieren. Die meisten der bewertenden Instanzen – Presse, Stiftungen oder Institutionen, die Auszeichnungen vergeben – nehmen zwar oft schon Apps wahr, nicht aber das enhanced E-Book.

Ein weiteres Problem: Die großen Verkaufsplattformen funktionieren nach dem Bestseller-Prinzip. Wir wünschen uns digitale Kinderläden mit Anspruch und Auswahl.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Wir freuen uns immer über neue Kontakte für unser kreatives Netzwerk: Autoren, Illustratoren, andere Kreative. Besonders hilfreich wären für uns sicher derzeit Multiplikatoren wie Pressemenschen und Blogger.

Wo finden wir Sie im Internet?

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Anna Karina Birkenstock

Colin Lovrinovic: Bei Bastei Entertainment leite ich den Bereich Vertrieb & Vermarktung International

11. Juni 2014

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Colin LovrinovicWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich heiße Colin Lovrinovic – aber meistens bin ich schnell beim Du. Ich will nicht, dass sich jemand die Zunge verrenkt wenn er versucht meinen Nachnamen auszusprechen. Ein Überbleibsel der australischen Hälfte meiner Familie, die ursprünglich aus Kroatien nach Down Under ausgewandert ist und erst später in Deutschland gelandet ist. Komplizierte Geschichte.

Bei Bastei Lübbe leite ich in der Digitalabteilung Bastei Entertainment den Bereich Vertrieb & Vermarktung International. Seit etwas über 8 Monaten bin ich an Bord und habe neben E-Books auch immer mehr mit Apps und Audioinhalten zu tun. Ich hoffe, ich gehe trotzdem durch als jemand, der was mit Büchern macht? Hauptsächlich kümmern mein Team und ich uns darum, mit digitalen, mehrsprachigen Inhalten neue Märkte wie die USA & UK, China und Lateinamerika zu erschließen. Dabei gehen Vertriebs- und Marketingstrategie natürlich Hand in Hand mit der Entwicklung der richtigen Inhalte. Daher stehe ich in engem Austausch mit dem Programmbereich und unseren Projektmanagern, im App-Bereich arbeite ich außerdem stark mit der technischen Entwicklung zusammen.

In der Buchbranche habe ich erst eine Woche vor der letzten Frankfurter Buchmesse angefangen – der perfekte Zeitpunkt eigentlich. Digital arbeite ich aber schon lange. Gerade die Veränderungsprozesse, die neue Technologien mit sich bringen, haben mich schon immer gereizt – ob in der Musikbranche, dem E-Commerce oder bei Markenunternehmen.

Als Kind wollte ich eigentlich immer Journalist oder Autor werden, wozu es aber nie gereicht hat. Umso schöner finde ich es, jetzt in einem progressiven Verlag wie Bastei Lübbe arbeiten zu dürfen. Auch wenn ich eher strategischer arbeite und weniger mit den Inhalten direkt zu tun habe. Immerhin kann ich mich aber in unsere Bücher einlesen!

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Den typischen Arbeitstag gibt es (noch) nicht. Zum einen weil der Bereich so neu ist und sich so viel tut – zum anderen weil es Teil des Jobs ist, das Geschäft vor Ort im Ausland aufzubauen. Darum bin ich sehr viel unterwegs und in manchen Monaten keine 7 Tage im Büro. Dementsprechend sind die Tage, an denen ich am Kölner Standort bin, in der Regel von morgens bis abends mit Terminen gefüllt. Mails werden dann am Abend beantwortet und die Telefonkonferenzen finden je nach Zeitverschiebung schon mal beim morgendlichen Müsli oder Abendessen statt.

Zuletzt war ich als Sprecher auf einer Transmedia-Konferenz in Peking und habe dort und in Tokio mit potenziellen Partnern aus verschiedenen Bereichen gemeinsame Kooperationsmöglichkeiten diskutiert. Es ist wichtig, eng mit lokalen Experten zusammenzuarbeiten, wenn man in einem neuen Markt richtig Fuß fassen möchte.

Ich bin froh, dass ich mit einem wirklich tollen und erfahrenen Team zusammenarbeiten darf – wir funktionieren auch gut zusammen, wenn ich mal nicht physisch anwesend bin.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Mein gesamter Bereich verändert sich ständig, dementsprechend auch die Arbeit, die wir tun. Die Produktpalette hat sich vergrößert, genau so die Anzahl der Länder, mit denen wir uns befassen. Das bringt jeweils neue Herausforderungen mit sich. Als ich bei Bastei Entertainment angefangen habe, ginge es noch sehr stark darum, Strukturen aufzubauen und die richtigen Rahmenbedingungen für unser internationales Geschäft zu schaffen. Mittlerweile sind wir dabei, unseren fremdsprachigen Katalog stark auszubauen – es ist sehr spannend jetzt endlich zu sehen, wie unsere Inhalte im Ausland ankommen. Unser letztes crossmedia Projekt „netwars“, welches wir gemeinsam mit der Berliner Firma Filmtank umgesetzt haben, wurde beispielsweise gerade in über 150 Stores weltweit gefeatured – ein Großteil des Umsatzes kommt dabei nicht aus Deutschland.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Gerade in Wachstumsmärkten wie China gibt es ganz andere Themen, mit denen man sich befassen muss, um potenzielle Leser zu erreichen. Das Problem des schwierigen Zugangs zum enorm großen App-Markt haben wir aber gerade mit einem lokalen Partner gelöst.

Grundsätzlich taucht immer mal wieder die ein oder andere kulturelle Hürde auf – aber wir haben mittlerweile Mitarbeiter aus Ländern wie den USA oder China im Team, dank denen wir recht gut gewappnet sind.

Eine große Aufgabe, an der wir gerade arbeiten, ist die weltweit optimale Verzahnung von Vertriebs- und Marketingaktivitäten. Ich wäre sehr dankbar, wenn wir dabei für unsere Koordinations-Telkos mit unseren ausländischen Partnern nicht immer ein halbes Dutzend Zeitzonen unter einen Hut bekommen müssten. Aber dafür gibt es wohl keine Lösung …

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Ich tausche mich grundsätzlich gerne mit Menschen aus, die international und/oder digital arbeiten, gerne auch aus anderen Branchen. Man kann nie auslernen.

Wir bauen außerdem gerade auch unsere Vertriebsaktivitäten für Kooperationspartner aus. Wenn jemand also spannende Inhalte aus den Bereichen E-Book, Audio oder App hat und diese für neue Märkte lokalisieren möchte – gerne melden!

Wo finden wir Sie im Internet?

Auf den üblichen Business-Portalen wie LinkedIn und Xing. Gerne auch bei Twitter. Instagram und Facebook nutze ich dann eher privat, um meine Freunde mit mehr oder weniger relevanten Updates zu bombardieren.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Fotograf: Max Motel

Isabelle Schlatterer: Ich vermisse eine engagierte Nachwuchsförderung im Buchhandel

9. Juni 2014

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Isabelle SchlattererWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Isabelle Schlatterer. Als junge, kreative und dynamische Nachwuchskraft im Buchhandel gehört meine große Leidenschaft den Büchern. Von April bis Juni 2014 nehme ich an dem Deutsch-französischen Austauschprogramm für junge Buchhändler und Verlagsmitarbeiter teil. Das Programm wird in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Buchmesse und dem Bureau International de l’Édition Française (BIEF), dem Deutsch-französischen Jugendwerk (DFJW) und der Europäischen Union (Programm Leonardo) organisiert. Mein Praktikum absolviere ich in der Buchhandlung „Maison du Livre“ in Rodez (Midi-Pyrénées).

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Nach meiner abgeschlossenen Buchhändlerausbildung habe ich vier Jahre Berufserfahrung als Buchhändlerin. 2013 habe ich mein Studium zur Buchhandelsfachwirtin erfolgreich abgeschlossen und sammle nun seit April 2014 Auslandserfahrung im Bereich Buchhandel in Frankreich. Das Austauschprogramm ist eine einmalige Gelegenheit, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Zudem kann man seine Sozialkompetenz sowie interkulturelle Kenntnisse arrivieren.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Ich habe die Möglichkeit, in alle verschiedenen Sortimentsbereiche einer inhabergeführten, unabhängigen französischen Buchhandlung reinzuschnuppern und meine eigenen Kenntnisse und Kompetenzen einzubringen. Zudem kann ich durch die Mitarbeit in der Buchhandlung meine Schlüssel- und Fachkompetenzen erweitern sowie meine Französischkenntnisse verbessern.

Zwischenergebnis: « C’est en forgeant qu’on devient forgeron. » (Übung macht den Meister.) In erster Linie habe ich bis jetzt meine Französischkenntnisse verbessert und einen vielseitigen und informativen Einblick in den französischen Buchmarkt erhalten.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ich vermisse eine engagierte Nachwuchsförderung im Buchhandel. Ich habe bereits einige Seminare bzw. Workshops am Mediacampus Frankfurt und bei den Buchtagen Berlin besucht. Im Anschluss bin ich jedes Mal hochmotiviert und mit frischem Schwung in die Buchhandlung zurückgekehrt. Ich wollte viele neue Ideen und Konzepte umsetzen oder anregen, jedoch bestand dafür keine Möglichkeit.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Als junge, kreative, dynamische und frankophile Nachwuchskraft im Buchhandel freue ich mich auf jeglichen Kontakt in der Buchbranche und natürlich speziell für den Buchhandel. Ich suche neue spannende Aufgaben mit neuen Ideen für meine berufliche Karriere.

Wo finden wir Sie im Internet?

Kontaktieren Sie mich bitte per E-Mail: Isabelle.Schlatterer@online.de

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Isabelle Schlatterer

Nadine d’Arachart und Sarah Wedler: Wir sind ein Autoren-Duo aus dem Ruhrgebiet und leben vom Schreiben

3. Juni 2014

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Nadine d’Arachart und Sarah Wedler

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Wir sind Nadine d’Arachart und Sarah Wedler und sind ein Autorinnen-Duo aus dem Ruhrgebiet. Als wir Kinder und große Wolfgang-Hohlbein-Fans waren, kamen wir auf die Idee, eine Fortsetzung zu einem seiner Romane zu schreiben. Daraus wurden 30 Seiten per Hand mit selbst illustriertem Cover, die wir ihm dann auf einer Lesung überreichten. Seitdem haben wir mit dem Schreiben nicht mehr aufgehört. Mittlerweile sind 3 Krimis/Thriller, eine Kurzgeschichtensammlung und „Watcher – Ewige Jugend“, der erste Band einer Fantasy-Trilogie, von uns erschienen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Wir wohnen zusammen und beginnen gleich morgens direkt mit dem Schreiben. Entweder plotten wir oder wir schreiben beide Kapitel, schicken sie einander per Mail und überarbeiten dann die der jeweils anderen. Oft kommen so 10 oder mehr Stunden Arbeit zustande, aber weil das Schreiben großen Spaß macht, macht uns das nichts aus. Und wir haben große Vorräte an Kaffee, Cola und Energy Drinks. ;-) Manchmal nimmt es aber schon extreme Züge an. Zum Beispiel haben wir unsere Laptops auch dabei, wenn wir mal zum Arzt müssen oder wenn wir aus irgendwelchen anderen Gründen irgendwo länger warten müssen – so kommt es, dass wir manchmal auch im Auto sitzen und schreiben oder dass wir an der Uni die Raumwechsel-Pausen zwischen den Vorlesungen nutzen. Das war schon früher auf Schulexkursionen so: Meistens haben wir uns irgendwann ein stilles Plätzchen gesucht und geschrieben, sei es im Bergbaumuseum oder auf der CeBit.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Nachdem wir das „Buch“ für Hohlbein geschrieben hatten, fingen wir mit einer eigenen Geschichte an, die wir ebenfalls per Hand in Notizbücher und Schulhefte schrieben. Wir fingen an, diese Bücher immer bei uns zu haben, ob in der Schule oder nachmittags beim Spielen. So entstand eine Story, die wir bis heute fortführen und deren Bände mittlerweile mehr als 10 Koffer füllen. Der große Unterschied zu dem, was wir heute hauptsächlich machen, ist, dass wir diese erste Geschichte einfach zum Spaß, ohne Plot oder festes Ziel, geschrieben haben und schreiben. Wenn wir uns jetzt an einen neuen Roman setzen, gibt es ein Konzept, ein festes Gerüst und einen ungefähren Zeitplan, damit wir uns nicht verzetteln. Da wir häufig an zwei bis drei verschiedenen Manuskripten gleichzeitig arbeiten, muss das auch sein. Außerdem hält die Arbeit immer wieder Überraschungen für uns bereit, die dadurch entstehen, dass nun eben auch Dritte involviert sind. So haben wir letztes Jahr erfahren, dass unser Debüt „Die Muse des Mörders“ fürs ZDF verfilmt wird, was uns natürlich sehr freut.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Wir schreiben ja nicht „nur“ nebenbei, sondern wir leben vom Schreiben. Das funktioniert noch nicht allein durch die Romane, sondern wir verfassen auch Artikel und sind manchmal als Ghostwriter tätig. Zusammen mit dem Studium verschlingt das alles eine Menge Zeit. Man setzt sich morgens hin und wenn man das nächste Mal von der Tastatur aufblickt, ist es später Nachmittag. Es wäre darum schön, wenn der Tag 48 Stunden hätte, aber für dieses Problem konnten wir bisher noch keine Lösung finden.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Nach all den Jahren könnte sich Wolfgang Hohlbein gerne mal zu unserem Erstlingswerk äußern. ;-) Ansonsten freuen wir uns über jeden Kontakt aus der Branche. Seien es andere Autoren, Leser, Blogger, Buchhändler oder Lesungsveranstalter – es ist immer hilfreich, Kontakte zu haben und das Thema Buch auch mal aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Zum einen auf unserer (natürlich gemeinsamen) Website www.write-fever.de. Dann auf facebook.de/darachart.wedler sowie auf Twitter.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Martin Urner/ artfotos Dortmund

Sonja Praxl: Ich produziere Buchtrailer und mache Interviewtrainings mit Autoren für deren Medienauftritte

2. Juni 2014

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Sonja PraxlWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich produziere Buchtrailer und mache Interviewtrainings mit Autoren für deren Medienauftritte.

Eigentlich komme ich vom Fernsehen – habe viele Jahre als Redakteurin bei “Johannes B. Kerner” und in der Redaktionsleitung bei “Markus Lanz” gearbeitet. Weil ich Bücher liebe, gebe ich heute alles, was man über einen Auftritt im Fernsehen wissen muss, an Autoren weiter. Anders als Leser sind TV-Zuschauer nämlich ziemlich ungeduldig und schnell wieder weg, wenn man sie nicht in den ersten Minuten fesselt. Das könnte den meisten Autoren wurscht sein – wenn es nicht so wichtig wäre, den Verkauf des Buches durch einen Auftritt bei Lanz und Co. anzukurbeln! Damit Autoren sattelfest und gelassen ins Studio gehen können, coache ich sie vorab. Ich arbeite mit fast allen großen Verlagen zusammen und auch direkt im Auftrag von Autoren.

Die perfekte Visitenkarte eines Autors gegenüber jeder Redaktion ist übrigens der Buchtrailer. Mit meiner Firma „bonniefilm“ produzieren wir daher den Clip zum Buch. Wir erarbeiten gemeinsam eine inhaltliche Aussage, die sitzt, und sorgen für die richtigen Bilder. Nicht selten machen wir Interviewdreh und Coaching gleich im Gesamtpaket.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ein Coaching mit einem Autor sieht natürlich anders aus als ein Drehtag z.B. in Amsterdam oder ein Tag am Schnittplatz hier in Hamburg. Insofern gibt es nicht einen typischen Arbeitstag sondern mehrere Varianten. Ich verbringe aber auch viel Zeit am Schreibtisch, wo ich mich auf die Begegnungen mit den Autoren vorbereite. Dazu lese ich natürlich die Bücher und mache mir Gedanken über ein Trailerkonzept oder die Kommunikationsstrategie im Interview.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Gar nicht so sehr. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit eines guten TV-Auftritts ist vielleicht noch gestiegen und damit auch die Bereitschaft an dieser Stelle zu investieren. Bei den Buchtrailern stelle ich fest, dass mehr auf Qualität als Quantität gesetzt wird.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ich wünsche mir eine verlagsübergreifende Video-Plattform im Netz, auf der (auch längere) Interviews mit Autoren zu sehen sind. Viele Verlage unternehmen dies bereits im Alleingang und haben dazu schöne Portale oder Blogs geschaffen haben. Ich bin aber überzeugt, dass man den Schatz an Themen, den die Gesamtheit der Autoren ja mitbringt, nur sinnvoll auf einem verlagsübergreifenden Portal verbreiten kann. Sowohl Leser als auch Redaktionen hätten dann eine einheitliche Anlaufstelle und Inspirationsquelle, von der alle profitieren. Bei Interesse übernehme ich sehr gerne die Koordination für ein solches Projekt!

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Ich freue mich immer über Kontakte zu Verlagen, PR-Agenturen, Literaturagenten und natürlich zu Autoren direkt. Und zu Visionären, die Lust (und die Mittel) haben, den Gedanken aus Frage 4 weiterzuentwickeln.

Wo finden wir Sie im Internet?

Unter www.bonniefilm.de

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Sonja Praxl

Esther von Krosigk: Über den Journalismus bin ich zum Medium Buch gekommen

2. Juni 2014

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Esther von KrosigkWer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Esther von Krosigk und ich mache fast alles rund um Bücher: ich schreibe sie, ich gebe Bücher heraus und entwickele neue Verlagskonzepte. Das war immer schon mein Traum, seit ich einen Stift in der Hand halten konnte. Über den Journalismus – zuletzt als Redakteurin beim Burda Verlag in München – bin ich endlich zum Medium Buch gekommen. Das war 2003, da habe ich den Sprung gewagt und meine Festanstellung gekündigt, um meinen ersten Roman „Das Haus der Zeichen“ (Random House) zu beginnen. Zehn Jahre zuvor hatte mir meine Tante Almuth v. Arnim von den mystischen Begebenheiten auf dem Gut eines Verwandten erzählt, zehn Jahre ging mir die Sache nicht mehr aus dem Kopf. Konzept und die ersten dreißig Seiten sandte ich an die Agentur „Schlückagent“, die fand sofort einen Verlag. Mein Buch hat mich auf der Leipziger Buchmesse schließlich zu meinem Mann geführt, der Verleger ist, und gemeinsam haben wir neue Verlagsideen entwickelt. Ein Ergebnis ist der „Fromm Verlag“, ein Imprint für christliche Publikationen, den es inzwischen auch in verschiedenen anderen Sprachen gibt. Der Name ist übrigens bewusst gewählt als Konterpart zu der anti-kirchlichen Haltung meiner Familie, die fromme Menschen oft belächelt hat. Ich bin inzwischen zum Katholizismus konvertiert.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

So früh wie möglich aufstehen und los schreiben. Wäre ich nicht als Mutter an bestimmte Zeiten gebunden, würde ich schon im Morgengrauen anfangen, denn die Stille des beginnenden Tages macht mich kreativ. Die Träume der Nacht wirken nach. Das Fenster zu einer anderen Welt ist noch offen. Ideal für fiktive Geschichten. Einfälle für meine Texte brauchte ich meist vorab nicht zu notieren, ich behalte sie im Kopf. Und bin froh, wenn ich sie dann loslassen kann. Etwas später am Tag, nach Durchsicht von Emails und dem Lesen von Nachrichten, geht es mit „profaneren“ Texten weiter. Sachbücher kann ich zu jeder Tageszeit schreiben und egal wo. Nein, stimmt nicht, es muss leise sein. Immer. Lärm hemmt das Schreiben.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Die Textarten haben sich diversifiziert. Ich habe mit Romanen im Stil des „Magischen Realismus“ gestartet und schreibe gerade an einem Band mit Novellen, der dem wieder sehr nahe kommt. Dazwischen habe ich Sachbücher veröffentlicht, die mir einfach Spaß gemacht haben: Das sind u.a. die Anekdotenbücher über die Päpste Franziskus, Benedikt XVI. und Johannes Paul II. Diese Büchlein gehen flott von der Hand, wenn das gesamte Material nach Monaten endlich zusammen gesammelt ist. Aus Zeitungen, Zeitschriften, Internet und aus Interviews. Papst Franziskus habe ich ein Exemplar seines Buches zugeschickt – und bekam daraufhin ein Dankesschreiben von Benedikt XVI. So etwas nennt man wohl Teamarbeit… Nebenbei habe ich an einem digitalen Lexikon für „de Gruyter“ mitgearbeitet und rund 1.000 Reprints, zum Teil Werke sehr bekannter Wissenschaftler des 19. und 20. Jahrhunderts, für „Edition Classic“ neu herausgegeben. Hinzu gekommen sind Blog-Beiträge und jüngst ein Reiseführer für den Droste Verlag.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ich würde mir wünschen, dass die „klassischen“, also etablierten Verlage sich unkonventionellen Themen mehr öffnen. Beispiel: Wenn man als Autorin nicht genau die vorgegebenen Kategorien wie etwa „Historienroman“ oder „Fantasy“ bedient, dann ist da wenig Spielraum. Um hier als Leser zu sprechen: Ich liebe besonders jene Bücher, die keinem Genre zuzuordnen sind und sich meist auf keiner Bestsellerliste finden. Die aber einfach grandios geschrieben sind. Für solche Autoren gibt heutzutage natürlich eine ganz einfache und inzwischen anerkannte Lösung: Das Self-Publishing. Aber ich bin altmodisch und möchte für mich ein „richtiges“ Verlagshaus.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Verleger, die sich mit mir auf neues Terrain wagen. Und auf der anderen Seite Autoren für unsere Verlage: Passionierte Blogger für „Bloggingbooks“, Geistliche und gläubige Laien für den „Fromm Verlag“ und Coaches für den „Trainerverlag“.

Wo finden wir Sie im Internet?

www.esther-von-krosigk.de

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Esther von Krosigk